Erschienen in Ausgabe 9-2019Schlaglicht

Grüne Technologie absichern

Der Energiesektor wird sich von fossilen hin zu nachhaltigeren Energieträgern entwickeln. Ein Überblick über die damit verbundenen Risiken, Schadentrends und neue Versicherungslösungen.

Von Carl Angelo DillVersicherungswirtschaft

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Erneuerbare Energien, zu denen Technologien wie Solar-Photovoltaik (PV), Wind- und Geothermie gehören, sind im Vergleich zur konventionellen Energie noch eine recht junge Industrie. Im Jahr 2017 waren fast 20% des weltweiten Gesamtenergieverbrauchs erneuerbar; bis 2035 wird ein Anstieg auf 25% und bis 2050 auf 34% erwartet. Global gesehen halten die Investitionen, die den Boom beflügelt haben, an. Europa und die USA, historisch gesehen die stärksten Märkte, wurden 2017 von China überholt. Mit rund 45 % aller weltweiten Investitionen ist das Land Spitzenreiter bei den erneuerbaren Energien, deren weltweiter Gesamtwert von derzeit rund 1,47 Billionen Dollar bis 2025 voraussichtlich auf 2,15 Billionen Dollar steigen wird.
Das Wachstum der erneuerbaren Energien wird hauptsächlich durch zwei Ressourcen angetrieben: Sonne und Wind. Der Anteil des Stroms aus Sonne und Wind an der weltweiten Produktion sollte bis 2050 fast 50% betragen – während der Anteil der Kohle auf nur 12% schrumpfen wird  (verglichen mit 37% heute). Auch wenn sich an diesen Zahlen hohe Erwartungen knüpfen, wird das langfristige Solar- und Windwachstum auch von der Entwicklung der Energiespeicher- und Verteilungstechnologie abhängen. Derzeit entfallen laut der International Renewable Energy Agency (IRENA) über 90% der weltweit installierten Stromspeicherkapazität von rund 180GW auf Pumpspeicherkraftwerke. Zwar hat sich die weltweite Batteriespeicherkapazität, meist Lithium-Ionen-Batterien (Li-Ionen), von 2017 bis 2018 verdoppelt und übersteigt mittlerweile drei Gigawatt (GW), jedoch ist ein vergleichbares Wachstum über die kommenden zehn Jahre erforderlich, um das langfristige Nachhaltigkeitsziel der Internationalen Energiebehörde (IEA) von 200 GW zu erreichen.
Die Zukunft für erneuerbare Energien, insbesondere Solar- und Windenergie, ist eindeutig vielversprechend. Mit dem Wachstum steigen jedoch auch die Risiken. So erfordern prototypische oder unerprobte Anlagen wie spezialisierte Rotorblätter und Getriebe sowie neue Instandhaltungskonzepte eine ständige technische Bewertung und mehr versicherungstechnisches Know-how. Auch neue Finanzierungs- und Eigentümerstrukturen sowie Kostensenkungsmaßnahmen wirken sich auf die betriebliche Effizienz aus und können zur Herausforderung für die langfristige Schadenentwicklung werden. Zusätzlich macht der Klimawandel mit intensiveren Stürmen, Hagelschlägen und Überschwemmungen die erneuerbaren Energien zu einem riskanten Geschäft für Versicherer und…