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Erschienen in Ausgabe 9-2019Märkte & Vertrieb

Generalüberholt

Wie Versicherern der Spagat zwischen Konservierung und Modernisierung ihrer Altsysteme gelingen kann

Von Markus Spieleder und Marco BechtoldtVersicherungswirtschaft

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Die digitale Transformation der Assekuranz wird durch die derzeit betriebenen Kernsysteme der Versicherungsgesellschaften behindert oder gar gefährdet. Die Modernisierung der Kerntechnik mittels Eigenentwicklungen, Standardsoftware oder Plattformen stellt eine Schlüsselherausforderung für den Wandel der Versicherer vom Risikoträger und –verwalter zum noch kundenorientierteren Dienstleister dar. Im Lichte dessen befragte KPMG IT-Verantwortliche auf Vorstands-, Bereichsleiter-, und Mitarbeiterebene von Kompositversicherern mit Sitz in Deutschland nach den Eigenschaften der aktuellen und der künftigen Kernsystemlandschaft in den Bereichen Sach, Unfall, Haftpflicht und Kraftfahrt (SUHK). Der vorliegende Artikel greift die empirischen Ergebnisse dieser Erhebung auf und ordnet diese in den Gesamtkontext ein. Zu klären ist, ob die gegenwärtig betriebene Kerntechnik in den Kernsystemen als (noch) wertvoll oder (schon) wertlos anzusehen ist, um den Spagat zwischen digitaler Transformation und der Sicherstellung eines reibungslosen IT-Betriebs meistern zu können. 
Die aktuellen, eigenentwickelten Kernversicherungssysteme der Kompositversicherer haben lange Laufzeiten. Trotz der Relevanz der digitalen Transformation für die Assekuranz sind lediglich 15 Prozent der Kernversicherungssysteme jünger als 10 Jahre. Der größte Teil, nämlich 62 Prozent der befragten Versicherer, setzt Informationstechnik ein, die älter als 20 Jahre ist. Letztere basiert auf alten Programmiersprachen wie COBOL, die teils in ihrer Sprachsyntax auf der Lochkarte basiert. Darüber hinaus betreiben fast die Hälfte der befragten SUHK-Versicherer zwei oder mehr Kernsysteme parallel. Die Eigenentwicklung und Vielzahl der Kernsysteme, ihr hohes Alter und ihre veralteten Programmiersprachen verursachen vergleichsweise hohe Fertigungstiefen, zahlreiche Schnittstellen, hohe Wartungsaufwände und starre Produktentwicklungsprozesse, die wiederum insbesondere im gegenwärtigen dynamischen Marktumfeld Probleme nach sich ziehen.

Abbildung 1: Anteil der Versicherer nach Alter der betriebenen Kernsysteme
Abbildung 1: Anteil der Versicherer nach Alter der betriebenen KernsystemeQuelle: KPMG

Drei wesentliche Vorteile erreichen

Die Assekuranz muss den Bedarf des Marktes hinsichtlich der User Experience und digitalen Prozessautomatisierung sowie die Anforderungen des Regulierers in Einklang bringen. Einerseits prägen junge, technologiebasierte Firmen die Erwartungen der Kunden an die Interaktion mit Versicherern. Andererseits diktieren alte, technologiekonservierende Systeme die…