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Erschienen in Ausgabe 9-2019Politik & Regulierung

Das Wetter als Game Changer

Extremwetter schlägt zunehmend auf die Ertragslage von Versicherern durch. Angesichts des Klimawandels avancieren präzise meteorologische Informationen damit zum Game Changer – über den gesamten Versicherungszyklus.

Von Dr. Michael FassnauerVersicherungswirtschaft

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Wenn Überschwemmungen nach Starkregen von wochenlanger Hitze und Dürre mit katastrophalen Ernteschäden abgelöst werden, dann ist Sommer in Deutschland. Und zwar nicht einer, wie er früher einmal war, sondern einer im Zeichen des Klimawandels.  2018 wird es laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wohl unter die fünf schwersten Sturmjahre der vergangenen Jahrzehnte schaffen. Mit 1,3 Mrd. Euro lagen die versicherten Sturm-, Hagel- und Starkregenschäden an Wohngebäuden bereits im ersten Halbjahr so hoch wie sonst im Gesamtjahr. Und die Schäden in der Landwirtschaft durch die anhaltende Trockenheit im Sommer dürften sich für 2018 auf mehr als zwei Mrd. Euro summieren. Soweit, so alarmierend.
Für Versichererwar 2017 jedenfalls das teuerste Jahr der Geschichte: Hurrikane und andere Extremwetterereignisse kosteten die Branche weltweit rund 144 Mrd. US-Dollar - mehr als je zuvor. Rechnet man noch die nicht versicherten Vermögenswerte dazu, kommt man in Summe auf nicht weniger als 345 Mrd. US-Dollar. Ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden. Das geht aus einer Untersuchung der Munich Re, dem weltweit größten Rückversicherer, hervor. Auch wenn laut ihren Klima-Experten nicht bewiesen ist, dass der Klimawandel dafür verantwortlich zeichnet, gibt es doch starke Indizien dafür. Ungewöhnlich hohe Naturkatastrophenschäden häufen sich nämlich. In den historischen Daten der Munich Re existieren nur drei Jahre, in denen die versicherten Schäden inflationsbereinigt mit über 100 Mrd. US-Dollar zu Buche schlugen – und sie alle liegen in den vergangen 14 Jahren.
Die Zahlen für Deutschland sind mit zwei Mrd. Euro an wetterbedingten Schäden für 2017 zwar unterdurchschnittlich, dürften für 2018 aber Rekordniveau erreichen. Laut dem renommierten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung könnte etwa die Zahl der Hochwasseropfer in Deutschland bis in die 2040er-Jahre um das Siebenfache(!) steigen. Der GDV verzeichnete mit 280 Miio. Euro für 2018 auch die höchsten Schäden durch Blitzschlag und Überspannung seit 15 Jahren.

Nach einem Unwetter ist die beste Zeit für die Akquise von Neukunden

Auch wenn Statistiken bekanntermaßen mit Vorsicht zu genießen sind lässt sich eines nicht mehr wegdiskutieren: Wetter hat einen exorbitant hohen Einfluss auf die wirtschaftliche Verfasstheit der Versicherungswirtschaft – Tendenz steigend. Nicht von ungefähr unterhält die Munich RE seit Jahren ein eigenes Kompetenzzentrum für Klima- und Naturrisiken. Und nicht von ungefähr…