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Erschienen in Ausgabe 9-2019Märkte & Vertrieb

Blaues Wunder mit grünen Wetten

Der eine hat Liquidität und braucht Cashflow. Beim anderen ist es umgekehrt. Die Lösung ist denkbar einfach: Der eine leiht, der andere zahlt in Raten zurück. Doch in manchen Konstellationen wird das vermeintlich Einfache sehr komplex. Zum Beispiel dann, wenn Versicherer Mezzanine-Kapital für Projektentwickler von Erneuerbare-Energie-Anlagen bereitstellen. 

Von Christoph von GeldernVersicherungswirtschaft

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In Deutschland sieht man das noch relativ selten. Dabei kann es bei der richtigen Ausgestaltung für beide Seiten eine Win-win-Lösung darstellen. Die anhaltende Phase von Niedrig- und Nullzinsen macht es für Versicherer immer schwieriger, mit klassischen liquiden Investments wie Staatsanleihen auskömmliche, ertragswirksame Cashflows zu erzielen. Diese werden jedoch zur Bedienung der eigenen Verbindlichkeiten benötigt. Deshalb ist seit einigen Jahren ein wachsendes Interesse an alternativen Anlageformen wie Sachwertinvestments zu beobachten. Dazu gehören neben Immobilien (das EY-Trendbarometer Immobilienanlagen der Assekuranz 2019 hat kürzlich erstmals eine zweistellige Immobilienquote in den Portfolios der deutschen Versicherungsunternehmen festgestellt) auch Investments in Erneuerbare Energien.
Neben Direktinvestments greifen Versicherer und andere institutionelle Investoren dabei zumeist auf Spezialfondsinstrumente zurück, die mit Eigenkapital in bestehende Erneuerbare-Energie-Anlagen investieren. Die Erträge aus der Stromerzeugung sind auskömmlich und vor allem regelmäßig und prognostizierbar. Dabei ist die Kongruenz der Renditestruktur hinsichtlich Laufzeiten und Frequenz manchen Portfoliomanagern bei den Assekuranzen wichtiger als die reine Renditemaximierung. Staatlich garantierte Einspeisevergütungen sind ein wichtiger Garant, um diesen regelmäßigen Cashflow sicherzustellen. Langfristig wird sich dieses Umfeld ändern, für Bestandsanlagen mit langen Restförderungszeiträumen sind die Vergütungen aber nach wie vor der entscheidende Renditelieferant, da die Strompreise an den Spotmärkten nicht zuverlässig ausreichen und zumeist sehr starken Schwankungen unterliegen.

Ausreichend rentable Bestandsanlagen sind immer schwerer zu finden

Die investorenseitige Nachfrage nach entsprechenden Projekten ist angesichts des Anlagedrucks institutioneller Investoren derzeit sehr groß. Das hat unmittelbar Folgen in Form von steigenden Preisen und sinkenden Renditen. Mitunter fällt es schwer, überhaupt noch passende Ankaufsmöglichkeiten zu finden. Hinzu kommt: Nicht alle Windenergie- oder Photovoltaikanlagen kommen überhaupt auf den Investmentmarkt. Denn in vielen Fällen baut der Projektentwickler die Anlage, um sie nachher selbst zu betreiben – etwa dann, wenn es sich dabei um einen Versorger handelt.
An diesem Punkt kommt die Mezzanine-Variante ins Spiel. Sie ermöglicht es dem Projektentwickler, die Erneuerbare-Energie-Anlage im eigenen Bestand zu halten und aktiv zu…