Verladung der ersten SGT-800 für "Del Sur" in Norrköping
Verladung der ersten SGT-800 für "Del Sur" in NorrköpingQuelle: Siemens
Erschienen in Ausgabe 9-2019Schlaglicht

Belastungsprobe

Erfolgsfaktoren für die Transportlogistik bei großen Infrastrukturprojekten - eine Case Study über Risk Consulting und Loss Prevention von Siemens.

Von Klaus Mensch und Ralf BussingVersicherungswirtschaft

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Mitte 2016 erhielt Siemens vom staatlichen bolivianischen Energieversorger ENDE Andina den Auftrag, die Energieerzeugung und -verteilung im Lande weiter auszubauen. So sollte einerseits der aktuelle und zukünftige Energiebedarf abgedeckt und andererseits die eigenen Erdgasvorkommen genutzt und Teile des erzeugten Stroms an benachbarte Staaten wie Brasilien und Argentinien exportiert werden. Dafür sollten drei bereits bestehende Gaskraftwerke, die ebenfalls von Siemens geliefert worden waren, in verschiedenen Provinzen des Landes (Warnes, Del Sur und Entre Rios) in energieeffizientere und umweltfreundlichere Gas- und Dampfkraftwerke (GuD) umgewandelt und erweitert werden. Sie sollen bereits 2019 zusätzliche 1,1 Gigawatt (GW) Strom generieren können – eine Steigerung von über 50 % im Vergleich zur aktuellen Stromkapazität des Landes. Der Transport der verschiedenen Komponenten, die u. a. in Europa (Deutschland, Schweden und Italien), Indonesien, China, Vietnam und Brasilien gefertigt wurden, stellte die Projektpartner gleich zu Anfang vor große logistische Herausforderungen. Der Lieferumfang für Siemens sah u. a. 14 Gasturbinen aus Schweden, 11 Dampfturbinen aus Brasilien, 22 Abhitzedampferzeuger (sogenannte HRSG-Module) aus Asien, 25 Generatoren aus Deutschland und 25 Transformatoren aus Italien vor sowie den Aufbau eines Service- und Trainingscenters.

Logistische Mammutaufgabe

Die weltweit gefertigten Komponenten mussten zum Teil Strecken von bis zu 16.000 km zurücklegen, darunter auch bis zu 1.800 km über Land, unter teilweise erschwerten Bedingungen. Das lag vor allem an der Topografie Boliviens. Dabei hatten die Schwertransporte Höhenunterschiede von 4.680 Metern zwischen den Küstengebieten und den Anden zu überwinden sowie Brücken zu überqueren, die für solche Transporte nicht geeignet waren. Diese mussten daher zusätzlich verstärkt oder über neu angelegte Bypässe umfahren werden. Die stetig wechselnden klimatischen Bedingungen – von der Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Erde, über die Anden und wieder hinunter ins bolivianische Tiefland – und die mangelhafte Infrastruktur vor Ort mit zum Teil unbefestigten Straßen bargen zusätzliche Herausforderungen. Das größte Risiko: Verzögerungen oder gar Transportschäden hätten den knappen Zeitplan auf den drei Baustellen in Gefahr gebracht, wo zu Spitzenzeiten bis zu 1.700 Arbeiter im Einsatz waren. Die Gesamtanzahl der Transporte lag bei ca. 1.000. Davon waren knapp 100 Schwerguttransporte (Ausrüstung mit…