Erschienen in Ausgabe 8-2019Trends & Innovationen

Im roten Bereich

Von Dr. Dirk SolteVersicherungswirtschaft

Wissen Sie, wie der Klimawandel aussieht? Das Cover dieser Ausgabe zeigt es Ihnen. Was zunächst wirkt wie ein bunter Strichcode ist tatsächlich eine Visualisierung der globalen Erderhitzung von 1850 bis 2017. „Warming stripes“ nennt Ed Hawkins seinen Ansatz. Der Wissenschaftler wandelt dabei die Temperaturwerte der zurückliegenden Jahrzehnte in farbige Striche um. Jedes Jahr entspricht einem Balken: gemessen an der Temperaturabweichung vom Durchschnittswert von dunkelblau (sehr kühl) über hellblau und hellrot bis dunkelrot (sehr heiß). Was man deutlich erkennt: das Limit, der rote Bereich kommt näher. Ein langfristig orientiertes Denken in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft wird – auch befördert durch das Phänomen Greta – immer mehr zum Gebot der Stunde.  

 

Weltweit weisen tausende Wissenschaftler und andere ausgewiesene Experten in verschiedenen Reports darauf hin, dass wir in Hinblick auf die natürliche Ressource Klima weiter von Nachhaltigkeit entfernt sind, als jemals zuvor. Die Balance im komplexen Dreiklang der divergierenden Zielvektoren Ökologie, Ökonomie und der sozialen Teilhabe und Einbindung  zu finden, ist schon deshalb von besonderer Schwere, weil es für den Begriff der „Balance“ keine verbindliche Fixierung gibt, wenngleich Vorschläge wie die „Nachhaltige Entwicklung“ im sogenannten Brundtland-Bericht der UN von 1987, für die weltweite Auseinandersetzung mit der Thematik wichtig sind.

 

Selbst wenn es kurzfristig eine verbindliche Einigung, so etwas wie ein faires, globales Leitbild der Balance gäbe, ist die Herausforderung der Transformation, bei einem Anwachsen der Weltbevölkerung um weitere zwei Milliarden Menschen in den nächsten 25 Jahren, enorm. Es gibt nicht wenige, die in den Beharrungskräften dynamischer Systeme am Status Quo den Grund dafür ausmachen, warum es zu keinem geordneten, sondern zu einem abrupten Wandel kommen wird. Führungskräfte in großen Unternehmen können diese Sichtweise aus der Systemtheorie bestimmt nachvollziehen. Diese Art des Wandels wird als Schock wahrgenommen, selbst wenn genügend Anzeichen beobachtbar gewesen wären, dass kein Weg an einem Wandel vorbeiführt.

 

Die sogenannte Resilienz zu stärken ist eine doppelstrategische Option zur aktiven Gestaltung des Wandels. Es geht dabei um die Stärkung der Fähigkeit, Schocks und Krisen zu bewältigen, für Unternehmen genauso wie für einzelne Menschen und soziale Verbünde. Dass unserer Branche hier eine wesentliche Rolle zukommt, braucht an dieser Stelle sicherlich nicht betont zu werden. Für größere Wirtschaftsakteure gilt mittlerweile in der EU eine Berichtspflicht zur Nachhaltigkeit. Dazu gehört die Formulierung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielvektoren, der Darstellung von Maßnahmen und ihrer Umsetzung. Wie nachhaltig Versicherer wirklich sind und was es dazu braucht, lesen Sie im Schlaglicht ab Seite 16.