Fridays for Future Proteste in München
Fridays for Future Proteste in MünchenQuelle: Fridays for Future Deutschland
Erschienen in Ausgabe 8-2019Schlaglicht

Alles nur Show?

Wieviel Nachhaltigkeit in der deutschen Versicherungsbranche wirklich steckt

Von Michael Stanczyk und Alexander KasparVersicherungswirtschaft

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Nach-hal-tig-keit, Substantiv, feminin [die]: lang andauernde Wirkung; alternativ neu-deutsch: sustainability [engl.]. Kaum ein Begriff hat sich in den letzten Jahren so nachhaltig entwickelt, wie der Begriff der Nachhaltigkeit. In Zeiten von Greta Thunberg und der FridaysforFuture-Bewegung boomt der Drang, im Einklang mit Umwelt, nach vorne gerichtet zu denken. Auf der diesjährigen Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung etwa rührte Olaf Scholz mächtig die Werbetrommel. „Auf allen Feldern müssen wir dazu beitragen, eine These zu widerlegen: dass es unseren Wohlstand verschlechtern wird, wenn wir nachhaltig wirtschaften. Das stimmt nicht. Wir werden ihn verbessern“, sagte der Bundesfinanzminister. Er betonte allerdings, dass marktwirtschaftliche Instrumente allein nicht ausreichen würden. Die Regierung müsse Standards, Zwischenziele und ein Enddatum festlegen, zu dem Ziel erreicht sein sollten. „Ohne Perspektive wird das nichts werden“, glaubt Scholz. Ähnlich wie die Bundeskanzlerin will der Bundesfinanzminister die EU-Ratspräsidentschaft 2020 dazu nutzen, mit seinen Amtskollegen Vorhaben zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele zu besprechen und gemeinsame Maßnahmen zu verabreden.

Bei der Mehrheit der deutschen Versicherer indes scheint das Thema Umwelt und Soziales noch nicht ganz angekommen zu sein. So zumindest lautet das Urteil einer Analyse der CSR-Berichte der Unternehmen, die Carsten Zielke, Gründer und Geschäftsführer der Zielke Research Consult, vorgelegt hat. Die Abkürzung CSR –Corporate Social Responsibilty – bezieht sich auf das Umwelt- und Sozial-Engagement von Wirtschaftsunternehmen. 2014 hatten Parlament und Mitgliedsstaaten der Europäischen Union eine entsprechende Richtlinie verabschiedet. Damit sind alle börsennotierten Gesellschaften sowie alle Finanzinstitute der Europäischen Union mit mehr als 500 Mitarbeitern seit dem Geschäftsjahr 2017 zu einer entsprechenden Erweiterung ihrer Unternehmensberichterstattung verpichtet.

Im Sinne des Aktionärs

Insgesamt seien die 42 untersuchten CSR-Berichte deutscher Versicherer vor allem wenig konkret, kritisiert Carsten Zielke, geschäftsführender Gesellschafter von Zielke Research Consult. Bei einer Bandbreite, die von maximal möglichen 16 Pluspunkten bis hin zu elf Minuspunkten reicht, liegt die Durchschnittspunktzahl aller Teilnehmer bei einem enttäuschenden Ergebnis von minus drei. Die höchste Punktzahl erreichen Debeka und Allianz mit jeweils sieben von möglichen 16 Pluspunkten…