Erschienen in Ausgabe 8-2019Unternehmen & Management

Alle sollen profitieren

Wenn Fintechs auf das vermeintliche Bürokratie-Monster Brüssel treffen

Von Eric BonseVersicherungswirtschaft

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Die EU-Kommission in Brüssel wird oft als Bürokratie-Monster verschrien. Doch wenn es um innovative digitale Technologien in der Finanzbranche - kurz: Fintech - geht, dann gilt dieses Vorurteil nicht. Ganz im Gegenteil: Die Brüsseler Behörde bemüht sich nach Kräften, nationale oder europäische Regulierungen und andere Barrieren aus dem Weg zu räumen, um die neuen digitalen Technologien und ihren Einsatz in der Finanzbranche zu fördern. „Better Regulation“ und „Supervisory Convergence“ sind die Stichworte, mit denen der Bürokratie-Abbau für Fintech vorangetrieben wird. Mehrere EU-Kommissare kümmern sich darum, innovative Technologien zu fördern und regulatorische Hürden abzubauen. Valdis Dombrovskis, Jyrki Katainen und Mariya Gabriel sind zuständig - aber auch der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger oder Kommissionschef Jean-Claude Juncker mischen eifrig mit.

Das zeigt, wie ernst Brüssel die neuen Technologien im Finanzsektor nimmt. In der Praxis ist es allerdings nicht immer ganz einfach, den passenden Ansprechpartner zu finden. Denn die Fintech fällt in der Juncker-Behörde sowohl unter die geplante Kapitalmarktunion als auch unter den neuen digitalen Binnenmarkt. Beide Projekte sind noch unvollendet, die Grenzen sind fließend. Der Begeisterung tut dies jedoch keinen Abbruch. „Wir gehen mit einer positiven Grundhaltung an die neuen Technologien heran“, sagt eine Kommissions-Expertin. Die Digitalisierung müsse sowohl in der Breite als auch in der Tiefe gefördert werden, damit Banken, Versicherungen und innovative Finanzunternehmen international wettbewerbsfähig werden bzw. bleiben. Dafür wolle man regulatorische Hemmnisse abbauen - auch in der stark reglementierten Versicherungsbranche: „Alle sollen profitieren.“

Aktionsplan stockt

Dass das nicht nur schöne Worte sind, beweist ein Aktionsplan, den die EU-Behörde im März 2018 vorgelegt hat. Darin werden ehrgeizige Ziele formuliert. So will die Kommission „innovative Business-Modelle“ fördern und ihnen europaweit zum Durchbruch verhelfen. Sie setzt sich auch für den Einsatz neuer, teils umstrittener Technologien wie Blockchain, Künstlicher Intelligenz oder Cloud-Services im Finanzsektor ein. Bei alldem will die EU den Datenschutz sichern und das Finanzsystem schützen. Es gehe darum, den europäischen Finanzsektor fit zu machen, damit er schneller und besser von Innovationen profitieren kann, heißt es auf der Website der EU-Kommission. Innovative Fintech müsse schnell europaweit eingesetzt werden, um von den…