Hart im Nehmen: Gehirnerschütterungen gehören im Profi-Football zum Alltag.
Hart im Nehmen: Gehirnerschütterungen gehören im Profi-Football zum Alltag.Quelle: Wikilmages/ Pixabay
Erschienen in Ausgabe 8-2019Politik & Regulierung

Kopf an Kopf

Risiko Kontaktsport

Von Dr. Theo LangheidVersicherungswirtschaft

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Die Befürchtungen, auf europäische Versicherer rolle ein ursprünglich in den USA entstandenes neues Haftungsszenario unter dem Sammelbegriff „Kontaktsport“ zu, von einigen Experten schon als neue „Asbestwelle“ bezeichnet, haben sich bislang nicht bewahrheitet. Aber ungeachtet dessen hält die Diskussion an: Groß war jüngst die Aufregung beim FC Newcastle, als deren Ligaspieler Fabian Schär, ein Schweizer Nationalspieler, in einem Länderspiel gegen Georgien weiterspielen musste, obwohl er nach einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler „mehrere Minuten lang“ ohnmächtig auf dem Platz lag. Nur der sofortigen Intervention seines Anstellungsvereins war es zu verdanken, dass er im nächsten Spiel nur drei Tage später nicht erneut eingesetzt wurde. Unvergessen auch die Desorientierung des deutschen Nationalspielers Christoph Kramer im WM-Finale 2014, der sich nach einem schweren Kopftreffer erst beim Schiedsrichter erkundigen musste, ob es sich wirklich um das WM-Endspiel handele. Wegen Fällen wie diesen entspricht es längst den allgemeingültigen Verhaltensregeln der Fifa und der Uefa, Profi-Fußballer, die während des Spiels eine Gehirnerschütterung erlitten haben, sofort aus dem Spiel zu nehmen und mindestens sechs Tage lang nicht mehr einzusetzen. Bei Amateurspielern wird eine Verlängerung solcher Abstinenz auf 19 Tage empfohlen. Der Fußballweltverband Fifa und die Uefa beschloss bereits 2014, dass bei einem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ein Fußballspiel bis zu drei Minuten lang unterbrochen werden muss, damit der betroffene Spieler in Ruhe untersucht werden kann. Der Schiedsrichter gestattet dem verletzten Spieler das Weiterspielen dann nur mit der Zustimmung des Mannschaftsarztes.

Mentale Spätfolgen

Die Schwierigkeit bei der tatsächlichen Umsetzung solcher Verhaltenspflichten liegt im Wesentlichen darin, dass eine Gehirnerschütterung einerseits schwer zu diagnostizieren ist, andererseits die vor Ort anwesenden Clubdoktoren häufig auch das Interesse der Vereine oder Verbände im Auge haben, wenn sie ihre folgenschwere Entscheidung fällen müssen. Unterschätzt werden sollten die Gefahren allerdings nicht: die US-Olympia-Silbermedaillengewinnerin und dreimalige Weltmeisterin im Radfahren Kelly Catlin hat sich in ihrem Zimmer der Stanford University im Alter von nur 23 Jahren das Leben genommen, nachdem sie in den Wochen zuvor aufgrund einer erlittenen Gehirnerschütterung einen starken Personalitätswandel durchgemacht hatte. Und die Zahlen sind alarmierend: