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Erschienen in Ausgabe 8-2019Politik & Regulierung

Jung geblieben

Der Aufstieg des Versicherungsstandortes Liechtenstein

Von Reto NäscherVersicherungswirtschaft

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Mit knapp 40.000 Einwohnern auf 160 Quadratmetern ist Liechtenstein der sechstkleinste Staat der Erde. Außer der Tatsache, dass das Fürstentum mit einem beeindruckenden Bergpanorama aufwarten kann, war der Finanzplatz rund um das Schloss Vaduz vielen Anlegern bislang in erster Linie als Steueroase ein Begriff. Doch das ist heute definitiv Geschichte: Am 2. Oktober 2018 hatten die EU-Finanzminister Liechtenstein von der grauen Liste der Steueroasen gestrichen. Damit bestätigten die Minister, dass das Fürstentum – übrigens im Unterschied zur benachbarten Schweiz, die noch mit der EU darüber verhandelt – die europäischen Anforderungen an Steuertransparenz, faire Besteuerung von Unternehmen und Umsetzung von Mindeststandards gegen Gewinnkürzung und -verlagerung vollumfassend einhält. Im Falle Liechtensteins waren dieser Entscheidung noch kleinere Korrekturen des Unternehmenssteuerrechts vorangegangen. Außerdem ist in Liechtenstein am 01. Januar 2018 der internationale Standard zum automatischen Informationsaustausch (AIA) in Kraft getreten. Dieser Standard bewirkt eine höhere Transparenz und soll grenzüberschreitende Steuerhinterziehung entgegentreten. Das Fürstentum bekennt sich zudem zu einer Null-Toleranz-Politik in Hinblick auf jegliche Missbräuche wie Geldwäscherei oder Terrorismusfinanzierung. Der Alpenstaat hat also alles dafür getan, frei von jedem Makel in diesem Jahr seine Feierlichkeiten zum 300jährigen Gründungsjubiläum zu begehen.

Nur 300 Jahre alt

Das Fürstentum Liechtenstein gehört zu den jüngsten Staaten auf der europäischen Landkarte. 1719 wurde die Grafschaft von Vaduz und die Herrschaft von Schellenberg von Kaiser Karl VI. zum Reichsfürstentum von Liechtenstein erhoben. Noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das absolutistisch regierte Fürstentum von Armut geprägt, wurde sogar als „Armenhaus Europas“ bezeichnet. Viele Liechtensteiner wanderten in dieser Zeit aus oder pendelten als Gastarbeiter in die umliegenden europäischen Staaten. Bekannt wurden vor diesem Hintergrund unter anderem die „Schwabenkinder“ – Kinder armer Bauern aus dem gesamten Alpenraum, die sich saisonweise auf wohlhabenden Höfen in der Schwäbischen Alb verdingten. Heute hat sich das Verhältnis vollständig gedreht: Ein Drittel der Liechtensteiner Bevölkerung hat eine ausländische Staatsangehörigkeit, wobei es sich überwiegend um Deutsche, Schweizer und Österreicher handelt. Hinzu kommen zahlreiche Grenzgänger: Über 20.000 Menschen pendeln täglich aus den Nachbarstaaten…