Quelle: Axel Schwartz
Erschienen in Ausgabe 8-2019Schlaglicht

„Frauen haben keinen Grund, nicht selbstbewusst zu sein“

Personalexperte Axel Schwartz über Führung und Frauen

Von Maximilian VolzVersicherungswirtschaft

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Frauen sind in den Vorständen der 30-Dax-Konzerne noch immer unterrepräsentiert. Vor allem bei den Banken und Versicherern sind Frauen in der Chefetage noch immer die Ausnahme. Worin sehen die Gründe für diese Entwicklung und warum ist es für Frauen noch immer so schwer in Führungspositionen zu gelangen?

Ich würde nicht unterschreiben, dass es grundsätzlich schwer für Frauen ist, in Führungspositionen zu gelangen. Dies gilt auch für Banken und Versicherungen und zeigt unsere tägliche Praxis. Hier besteht gerade im mittleren Management großes Interesse, Frauen für Führungsaufgaben zu gewinnen. Nach ganz oben ist die Luft allerdings tatsächlich noch dünn. Ich denke, dies ist auch teilweise ein Spiegel der hier angelangten 1960er-/1970er-Generation, die mit einem anderen Rollenverständnis aufgewachsen ist und wo männlich dominierte Netzwerke karriereförderlicher als heute waren. Ich denke jedoch, dass die Zeit für die Frauen spielt: In der nächsten Führungsgeneration werden weibliche Topmanager, die sich für diesen Weg entscheiden, selbstverständlich sein. Das geht auch ohne staatliche Regulierung.

Laut jüngstem DIW-Managerinnen-Barometer bräuchten Frauen allein in der Finanzbranche bis 2098, um überhaupt mit den Männern gleichzuziehen. Wie ist Ihre Einschätzung und wie könnte dies aus Ihrer Sicht schneller gehen?

Die Frage ist zunächst, ob wirklich jede Frau Karriere machen möchte. Auch in der Generation Y stellen wir fest, dass viele Frauen eher eine traditionelle Rollenverteilung anstreben. Im Gegensatz zu früher möchten oder müssen sie zwar nach einer Kindererziehungszeit in ihren Beruf zurückkehren, setzen ihren Schwerpunkt aber auch dann stärker in der Familie, z.B. durch Teilzeit. Wichtig ist aus meiner Sicht also nicht ein Gleichziehen, sondern vielmehr, dass Frauen, die Karriere machen möchten, diese auch ohne Nachteile gegenüber ihren männlichen Kollegen machen können.

Auch im Versicherungsvertrieb sind Frauen derzeit noch in der Minderheit. Wie beurteilen Sie aktuell die Entwicklung?

Der immer noch männlich dominierte Vertrieb bietet gerade für Frauen hervorragende Karrierechancen. Die Versicherungsunternehmen und Vermittlerbetriebe haben ein großes Bestreben, Vertrieb weiblicher zu machen. Dies sowohl im Verkauf als auch in der Führung. Früher galt der Finanzdienstleistungsvertrieb, insbesondere bei Versicherungen, als "hard selling" mit allen hiermit verbundenen negativen Klischees. Dies schreckte Frauen ab. Regulierung sowie gestiegene…