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Erschienen in Ausgabe 7-2019Märkte & Vertrieb

Goethe

Viele Versicherer wurden vor Jahrhunderten als Brandkassen ins Leben gerufen. In dieser Zeit widmete sich auch Johann Wolfang Goethe dem Thema Brandschutz – sowohl geisteswissenschaftlich als auch aktiv beim Löschen.

Von Michael GlückVersicherungswirtschaft

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In der Bundeskunsthalle in Bonn wird Johann Wolfgang von Goethe mit einer umfassenden Ausstellung gedacht, die zeitlich weit über seinen Geburtstag hinausreicht. Er wäre am 28. August 270 Jahre alt geworden Die Ausstellung (17.05. - 05.09.2019) rühmt die intellektuelle Vielseitigkeit Goethes, nicht aber seine Affinität zur Feuerversicherung. Diese ist auch wenig bekannt, gleichwohl naheliegend. Denn Weimar war zu Goethes Zeit eher ein großes Dorf als eine Stadt. Seine Straßen waren sehr eng, die Häuser klein und ärmlich und das Schloss, das insgesamt fast ein Drittel der Stadt einnahm, war zwei Jahre vor seiner Ankunft abgebrannt. Dieser Brand war Goethe nicht verborgen geblieben. Schließlich war mit 26 Jahren auf Wunsch des acht Jahre jüngeren Herzogs Karl August Minister ernannt worden war, zu dessen Zuständigkeiten das Wohnungswesen und auch Feuerverhütungsmaßnahmen gehörten. Ein Gespräch Goethes mit dem bayerischen Kreisdirektor und Historiker Karl Ritter von Lang aus dem fränkischen Ansbach über Brandversicherungsanstalten aber ist der am meisten zitierte Beleg für das große Interesse, das Goethe dem Feuerversicherungsgedanken entgegenbrachte. Ritter von Lang, der auch im diplomatischen Dienst seines Landesherren stand, hat die Audienz bei Goethe kritisch in seinen Memoiren festgehalten.

Die Gretchenfrage mit der Feuerversicherung

Ritter von Lang hatte aber nicht nur eine sehr scharfe Zunge, die ihm Bayerns König, Ludwig I, der ein glühender Verehrer Goethes gewesen sein soll, auch übel nahm. „Sie haben einen Mund wie ein Schwert“, rügte der König. Die Kritik des schreibenden Ritters an der Versicherung dürfte sich vielmehr auch daran entzündet haben, dass die um 1754 gegründete Brandversicherungsanstalt im Ansbacher Bezirk – die älteste öffentlich-rechtliche Brandversicherungsanstalt Süddeutschlands – ein gutes halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung in der bayerischen Landesbrandversicherungsanstalt in München aufgegangen ist. Auf der Rückreise, so notierte von Lang, „gings über Heiligenstadt und Erfurt ….nach Weimar, wo ich mich vom Teufel verblenden ließ, mich bei seinem alten Faust, dem Herrn von Goethe, in einem mit untertänigen Kratzfüßen nicht sparsamen Brieflein anzumelden. Ich war angenommen um halb eins. Ein langer, alter, eiskalter, steifer Reichsstadtsyndikus trat mir entgegen, in einem Schlafrock, winkte mir, wie der steinerne Gast, mich niederzusetzen, blieb tonlos an allen Saiten, die ich bei ihm anschlagen wollte, stimmte bei – Allem…