Erschienen in Ausgabe 7-2019Unternehmen & Management

Spielerwechsel

Allianz setzt mit Zukäufen den britischen Marktführer Aviva unter Druck

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Insgesamt nsgesamt zehn von elf Kandidaten sind für die Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May nominiert. Wer von ihnen tatsächlich neuer Parteichef und damit auch Premierminister wird, soll erst Ende Juli feststehen. Als Topfavorit gilt der umstrittene Ex-Außenminister Boris Johnson. Sein Versprechen: Er werde einen „besseren Deal“ aushandeln als die scheidende Premierministerin May, die mit ihrem Brexit-Abkommen im Parlament dreimal scheiterte. Die Konservativen stehen unter Druck, da sie bei der Europawahl eine deutliche Niederlage auch wegen des verzögerten Brexits hinnehmen mussten. Die EU beharrt jedoch darauf, den Deal nicht neu verhandeln zu wollen. Die EU-Befürworter hoffen darauf, dass das Unterhaus einen No-Deal abwendet. Nicht ausgeschlossen sind weiterhin Neuwahlen und womöglich ein zweites Referendum. Nur diese beiden Optionen wären für die EU ein Grund, das aktuelle Austrittsdatum am 31. Oktober noch einmal zu verschieben – falls Großbritannien das beantragen sollte.

Aviva erwägt Selbst-Filettierung

So manche Finanzgruppe ist aufgrund von organischem und akquisitorischem Wachstum einerseits groß und mächtig, andererseits aber auch allzu schwerfällig und demokratisch geworden. Dass die Unternehmensleitung aus dieser Erkenntnis heraus selber eine Aufspaltung in Erwägung zieht, kommt selten vor. Schließlich korreliert die Vergütung des CEOs eher mit der Unternehmensgröße denn mit der Schaffung von shareholder value. Aviva‘s erst seit März 2019 amtierender CEO Maurice Tulloch erklärte nun aber er wolle der 323 Jahre alten Gesellschaft neue Energie einhauchen.
Aviva plc überlegt derzeit das britische Leben vom dortigen Nicht-Lebensgeschäft zu trennen. Unklar ist; ob die beiden Unternehmensteile, jedenfalls vorübergehend, noch unter derselben Holding vereint sein werden oder ob es mittelfristig separate Börsennotierungen geben soll. Aviva wird derzeit durch die Börse mit 15,758 Mrd. Pfund bewertet, d.h. zu einem vier-prozentigen Abschlag vom Buchwert. Die Kurse waren innerhalb Jahresfrist um über 20 Prozent gesunken. 
Erst 2017 hatte Tulloch’s Vorgänger genau das Gegenteil eingeleitet, nämlich eine vollkommene Verschmelzung der beiden auf dieselbe Zielgruppe ausgerichteten Sparten, eine Kompositstrategie. Anscheinend waren in den vergangenen zwei Jahren die Verwaltungskosten der Gruppe ins Kraut geschossen. Der Versuch allen Kunden im Sinne einer „digital garage“ auf einem einzigen Bildschirm all ihre Policen spartenübergreifend zu…