Erschienen in Ausgabe 7-2019Politik & Regulierung

Sein wie Greta

Unter den Eindrücken des Klimawandels und der globalen Erwärmung stehen Versicherer zunehmend unter Druck, Teil einer nachhaltigen Finanzwirtschaft zu sein. Aufsichtsbehörden arbeiten erste konkrete Vorgaben für die Branche aus. Was sich hinter dem Begriff der Nachhaltigkeit tatsächlich verbirgt, bleibt allerdings häufig schleierhaft. 

Von Christoph Schellhas und Olga RotärmelVersicherungswirtschaft

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Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren ein Thema in der Versicherungsbranche und einige Unternehmen handeln bereits heute nachhaltig. Durch den zunehmenden Klimawandel stellt sich immer mehr die Frage, welchen Beitrag die Versicherungsbranche bei der Erreichung der Klimaziele leisten kann. In der Praxis und der Anwendung besteht allerdings die Schwierigkeit, dass es kein allgemeingültiges Verständnis für den Begriff gibt und nachhaltiges Handeln im Gesamtkontext sehr heterogen definiert wird. In dem Zusammenhang spielen die Begriffe “Environmental, Social and Governance” (ESG) eine wichtige Rolle. ESG bezieht sich auf die drei wesentlichen Faktoren bei der Beurteilung, wie Unternehmen, bspw. mit ihren Kapitalanlagen, ihrem Verhalten oder bei der Ausgestaltung von Versicherungsprodukten, zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen können.

Environmental (Umwelt) gehört seit langer Zeit zum Kerngeschäft von Versicherungsunternehmen, die beispielsweise Hagelschäden oder Überschwemmungen absichern. Daher sind Versicherungsunternehmen mit ihrem Know-How wichtige Ansprechpartner zur Bewältigung von Klimarisiken. Neben der Versicherung dieser Risiken stellt sich auch die Frage, wie die Branche zur Vermeidung von Umweltrisiken beitragen kann. Dies ist insbesondere durch nachhaltige Kapitalanlage (Sustainable Finance) möglich, da es einen erheblichen Kapitalbedarf zur Erreichung von Klima- und Umweltzielen gibt. Die Besonderheit bei Versicherungsunternehmen sind die häufig langlaufenden Anlagen, was den Sektor zu einem sehr wichtigen Akteur macht. Darüber hinaus könnten Versicherungsunternehmen auch durch Entscheidungen zur Unterstützung bestimmter Projekte einen Beitrag zur Vermeidung der Risiken leisten. Die Themen Social (Sozial) und Governance (Unternehmensführung) beziehen sich auf nachhaltige und gleichberechtigte Verhaltensweisen gegenüber der Gesellschaft und dem eigenen Unternehmen. In den Bereich Social fällt unter anderem die Förderung von Diversity, die Schaffung guter Arbeitsbedingungen oder die Berücksichtigung von Menschenrechten bei Anlageentscheidungen. Das Thema Governance bezieht sich auf die Themen Bestechung, Geldwäsche oder Embargo und die Fragestellung, wie Unternehmen diese Aspekte in der Unternehmenssteuerung berücksichtigen.

Eiopa und Bafin schärfen ihren Blick

Da Nachhaltigkeit auch bei den Aufsichtsbehörden auf der Agenda steht, rückt ESG immer stärker in den Fokus einer möglichen Regulierung. Insbesondere die Transparenz in Bezug auf…