Erschienen in Ausgabe 7-2019Schlaglicht

Hype, Hysterie oder Hybris?

Warum Insurtechs nicht einhalten, was sie versprechen

Von Dr. Jürgen CramerVersicherungswirtschaft

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Substanz fängt nicht mit „H“ an. So könnte man böswillig anmerken, wenn man die Auswüchse im Markt und das Auftreten einiger Protagonisten beobachtet. Aber wer wollte es manchem jungen „Unternehmer“ verdenken. Gepampert mit „stupid money“ und begleitet von unreflektierten Presseartikeln denkt er/sie vielleicht, die Gesetze der Schwerkraft gelten nicht mehr. Oder präziser: Business Cases, die „eigentlich“ jedem Investment vorausgehen und auf Herz und Nieren geprüft werden sollten, sind überflüssig. Die Story bzw. der Hype um die Zauberwörter dieser Tage – Digitalisierung, Blockchain, Skalierbarkeit – wird es schon richten. Insurtechs sollen in Deutschland 2018 rund 154  Mio. Euro an Kapital eingesammelt haben, 88 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Bescheidene Summen, betrachtet man die weltweiten Invests in Fintechs insgesamt: Laut KPMG sollen 2018 weltweit 112 Mrd. US-Dollar in Start-ups aus dem Finanzdienstleistungsbereich geflossen sein. Ursächlich hierfür seien zahlreiche Mega-Deals gewesen. Auch in Deutschland bestätigt sich dieser Trend: Das Geld fließt – KPMG erwartet eine Konsolidierung für den deutschen FinTech-Markt - eher in weniger Deals, dafür mit mehr Volumen. So zum Beispiel bei Wefox, die soeben (Anfang 2019) eine Investitionsrunde über 125 Mio. US-Dollar hingelegt haben und sich in Pressemitteilungen wie folgt zitieren lassen: „Wir haben damit die Gelegenheit, alle Versicherer weltweit in unsere Plattform zu integrieren und die größte Versicherungsgesellschaft der Welt zu werden.“ Doch werfen wir einen Blick auf die Realität. Ist der Hype in Deutschland und weltweit berechtigt?

Insurtechs stehen nicht für mehr Kundenzufriedenheit

Konkretes Beispiel zum Einstieg: Da gibt es – neudeutsch – „Peer-to-Peer-Anbieter“, die im „Freundeskreis“ Versicherungen verkaufen wollen. Wenn man mit anderen Freunden ein Mini-Versicherungskollektiv bildet, kann man Geld sparen. Und wenn man nicht so viele Freunde hat, werden einem sogar welche „zugeführt“. Na toll. Und die Versicherung profitiert angeblich auch noch davon. Weil Schadensfreiheit belohnt werde, komme es zu weniger Versicherungsbetrug im Mini-Kollektiv. Und da kleinere Schäden direkt aus der „Teamkasse“ beglichen werden können, sparten die Versicherer außerdem Kosten für die Schadenbearbeitung. Natürlich ist dies ökonomischer Unfug, so wie auch ein Perpetuum mobile nicht funktionieren kann: Denn ein weiterer Partner in diesem Konstrukt kostet natürlich auch Geld. There ain´t no such thing as a free