Rainer Gebhart, WWK: „Die klassische Kapitallebensversicherung nach deutschem Muster mag zwar als langweilig empfunden werden, doch sie ist immer verlässlich gewesen und frei von Anlageskandalen."
Rainer Gebhart, WWK: „Die klassische Kapitallebensversicherung nach deutschem Muster mag zwar als langweilig empfunden werden, doch sie ist immer verlässlich gewesen und frei von Anlageskandalen."Quelle: WWK
Erschienen in Ausgabe 7-2019Trends & Innovationen

„Der Run-off von großen Beständen schafft sicher kein Vertrauen in das Geschäftsmodell der Lebensversicherer“

Rainer Gebhart, Vertriebsvorstand WWK, über Probleme und Perspektiven in einem anspruchsvollen Markt

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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Wohin steuert die Lebensversicherung?

Das Geschäftsmodell der Lebensversicherer ist sicherlich im Wandel. Klassische Kapitallebensversicherungen sind in Zeiten von Ultraniedrigzinsen nur noch sehr eingeschränkt zu empfehlen. Denn durch die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wird eine Zinsgarantie für die Kunden ökonomisch einfach zu teuer. Wir setzen für die Altersvorsorge bereits seit vielen Jahren auf Investmentsparen über Fondspolicen mit und ohne Garantiekomponente. Beide Modelle stellen auf längere Sicht eine äußerst profitable Form der Altersvorsorge für unsere Kunden dar. Darüber hinaus greift es zu kurz, Altersvorsorgeprodukte rein über Renditeaspekte vergleichen oder beurteilen zu wollen. Die private Rentenversicherung sichert als einziges Produkt in Deutschland das Langlebigkeitsrisiko ab. Dies bedeutet, dass die Versicherung bis zum Tode des Versicherten die monatliche Rente ausbezahlt. Bei jedem anderen Vorsorgeprodukt wird das Kapital aufgezehrt. Ich finde, dass es kein anderes Produkt gibt, das so gut unterschiedliche Komponenten der Altersvorsorge vereint: In der Ansparphase bietet es ebenso die Möglichkeit, Hinterbliebene abzusichern wie auch die eigene Leistungskraft, in der Phase der Verrentung bietet es Versorgungssicherheit bis ans Lebensende. Aus beiden Aspekte heraus halte ich es auch heute noch für Kunden attraktiv, einen Leben-Neuvertrag abzuschließen.

Was halten Sie vom Run-Off? Gerechtfertigtes Mittel oder Vertrauensbruch gegenüber dem Kunden?

Ich denke, die deutschen Lebensversicherer haben über viele Jahrzehnte hinweg bewiesen, dass sich ihre Konzepte für den langfristigen Vermögensaufbau gut eignen. Man muss sich nur in Erinnerung rufen, wie viel Geld die Anleger mit anderen Anlageformen schon verloren haben - etwa mit geschlossenen Fonds oder Zertifikaten. Die klassische Kapitallebensversicherung nach deutschem Muster mag zwar als langweilig empfunden werden, doch sie ist immer verlässlich gewesen und frei von Anlageskandalen. Der Run-off von großen Beständen schafft sicher kein Vertrauen in das Geschäftsmodell der Lebensversicherer. Inwieweit dies für betroffene Kunden mit Nachteilen verbunden ist, wird aber erst die Zukunft zeigen. Für die WWK spielen solche Überlegungen keinerlei Rolle. Wir wollen unsere Kunden behalten und die zugesicherten Leistungen wie lebenslange Renten und Schutz vor biometrischen Risiken zuverlässig erbringen. Dabei hilft uns insbesondere die hohe Substanzkraft unseres…