Versicherungswirtschaft: 07/2019
7-2019
7-2019
Juli 2019
Dr. Dirk Solte
Briefing
Mensch sein

Automatisierung ist eine Triebkraft, die, ausgehend vom Menschen selbst, auf den Menschen einwirkt. Sie ist Treiber für den Wandel des menschlichen Selbstverständnisses hinsichtlich der eigenen Stärken im Konkurrenzkampf mit den Automaten um Teilhabe in Wertschöpfungsprozessen. Früh hat der Mensch angefangen, das Tragen schwerer Lasten zu automatisieren und für sich die Rolle der Berechnung und Konstruktion ausgemacht. CAD und mathematische Modelle wie die Technik der finiten Elemente haben diese Rolle heute weitgehend auf Automaten übertragen.

In der ersten Hochphase der KI in den 80iger Jahren des 20ten Jahrhunderts galten Bild-, Geräusch- und Spracherkennung noch als Domänen menschlicher Spezialität, beispielsweise bei der Fehlererkennung und in Qualitätssicherungsprozessen. Heute sind automatisierte Verfahren nicht nur in China in den Alltag eingedrungen. An der Schnittstelle zum Internet der Dinge übernehmen sprachgesteuerte Chat-Bots die Interaktion. Es trifft einen Kern der aktuellen Herausforderungen, wenn Martin Micko, Gründer und COO von Omni:us in seinem Gastbeitrag (Seite 68) schreibt, dass „es durch ein datenbasiertes vertieftes Kundenverständnis und den Einsatz von KI möglich wird, entsprechende Produkte zu entwickeln und passgenau anzubieten."

Was indes können die Menschen, das sich nicht automatisieren lässt?  Ist es die Fähigkeit, einfach nur zuzuhören und dann auf der Basis gemeinsamer Werte und kultureller Traditionen als besonderer Akt der Kreativität die „richtigen“ Fragen zu stellen, die dem Gegenüber helfen im eigenen Unterbewusstsein die Antwort zu finden? Gefühl und Einfühlungsvermögen lassen sich nicht automatisieren. Gerade auch deshalb werden Maschinen nicht die Fähigkeit und den Willen erlangen, sich zu Wertekollektiven zusammenzuschließen.

Das ist eine Lücke, ein potenzielles Rückzugsgebiet für ein Menschsein. Wenn sich Makler und Vermittler, die als persönliche Online- und Offline-Schnittstelle zwischen Versicherern und Versicherten fungieren, diese Besonderheit des Menschseins bewusst machen, liegt eine Option für die Zukunft auf der Hand. Die Ausgestaltung eines Wertekanons, der auf das Ver- oder besser gesagt, das Erdienen von Vertrauen ausgerichtet ist. Das würde doch perfekt zum Versicherungsgedanken passen. Ansätze dazu gibt es, wie beispielsweise den Verein ehrbarer Kaufleute. Die Zersplitterung der Interessenvertretung der Makler und Vermittler steht dem allerdings entgegen, ein breit akzeptiertes Label eines Berufsstandes ähnlich der Aktuare (siehe Seite 9) aufzubauen. Es ist schwer, die richtige Balance zwischen Kollektivierung über gemeinsame Werte bei gleichzeitiger Notwendigkeit der Differenzierung im Wettbewerb zu finden. Dieses Problem haben die Automaten nicht.

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