Quelle: Bayer AG
Erschienen in Ausgabe 6-2019Trends & Innovationen

Schadenprisma Mai 2019

Bayer steht nach Rekordstrafen mit dem Rücken zur Wand

Von Philipp Thomas und David GorrVersicherungswirtschaft

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Der Pharmakonzern Bayer hat in den USA auch den dritten wichtigen Prozess im Zusammenhang mit dem Monsanto-Unkrautvernichter „Roundup“ verloren – und soll 2,05 Mrd. Dollar Schadenersatz (1,82 Mrd. Euro) zahlen. Ein Ehepaar hatte das Unternehmen verklagt, weil es „Roundup“ für seine Krebserkrankungen verantwortlich macht. Die Summe setzt sich aus Schadensersatz und Strafzusatzzahlungen – den so genannten „Punitive Damages“ zusammen. Der Bayer-Konzern, der Monsanto im vergangenen Jahr für fast 60 Mrd. Euro übernommen hat, hat anscheinend die Prozessrisiken von Monsanto völlig unterschätzt. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden diese Summen voraussichtlich in der nächsten Instanz deutlich reduziert - auf ein Freispruch darf Bayer aber nicht hoffen. In den USA sieht sich der Pharmariese mit 13.800 Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat konfrontiert. Würde jeder davon 10 Mio. erhalten, dann kommt man immer noch auf eine Summe von 130 Mrd. Dollar. 
Bayer gibt an, vor der Fusion habe man zugunsten von Monsanto ein Produkthaftpflichtdeckung zu marktüblichen Bedingungen bestanden. Unklar ist, ob die Police wie in den USA üblich auf Basis von claims-made oder auf occurrence (Verstoß) funktioniert. In der Praxis dürfte dies aber aufgrund der wohl vorhandenen Serienschadenklausel irrelevant sein, d.h. auch nun noch geltendgemachte Ansprüche dürften auf auf dasjenige Policenjahr zurückfallen, in dem der erste Schadenersatzanspruch gestellt wurde, vermutlich 2016. Typischerweise schließen Produkthaftpflichtpolicen die Rekordstrafen der punitive damages aus. Allerdings könnte eine mögliche Deckungssumme in einem dreistelligen Millionenbereich durch Rechtsberatungskosten bereits ausgeschöpft sein. Bayer könnte eventuell mit einer richterlich zertifizierten class action (Sammelklage) die Angelegenheit gegen Zahlung von fünf bis zehn Mrd. Dollar aus der Welt schaffen und einen Schlusstrich ziehen. Aber auch ein Schaden in dieser Höhe läge um ein Vielfaches über der tatsächlich noch von Monsanto eingekauften Deckung und würde die Grenzen der Versicherbarkeit sprengen. Neben einem Haftpflichtschaden könnte die Assekuranz auch noch einen D&O-Schaden wegen ungenügender M&A-Sorgfalt seitens von Bayer-Organen oder einen Berufshaftpflichtschaden verkraften müssen was die bei der Bayer-Monsanto due diligence involvierten externen Berater angeht. Der Verdacht liegt nahe, dass Monsanto bereits 2015 die Zeichen der Zeit erkannte und den Verkauf des Unternehmens als…