Erschienen in Ausgabe 6-2019Köpfe & Positionen

"Wer Ende April die Schlagzeilen verfolgte, hätte in Panik verfallen können"

Von Thomas Gehrke, Vorstandsmitglied Vereinigte Hagel

Von Thomas GehrkeVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Neben der Boulevardpresse meldete selbst die seriöse Tagesschau: „Wetterdienst warnt vor Dürresommer“. In Wahrheit hatte der DWD jedoch nur mitgeteilt, dass es einen weiteren Dürresommer geben könnte, wenn es weiterhin keine Niederschläge gäbe. Das war nicht weiter überraschend. Verwunderlich war hingegen das, was die Medien hieraus gemacht haben. 2018 war es sicherlich die Dürre, die uns in Atem gehalten hat. In diesem Jahr hingegen war es Anfang Mai der strenge Frost, der zahlreiche Rebstöcke hat erfrieren lassen. Auch ist es 2019 bereits zu erheblichen Schäden durch Hagelschlag gekommen – denkt man hierbei nur an den Norden Italiens.

Frequenzschäden versus Katastrophenschäden

Der Blick auf die langjährige Schadenstatistik der Landwirtschaft zeigt: Hagel, Sturm und Starkregen verursachen alljährlich in den unterschiedlichsten Anbaugebieten zum Teil extreme Ernteschäden. Die Ertragsausfälle sind aber in der Regel regional begrenzt, können jedoch für Einzelbetriebe ein existenzbedrohendes Ausmaß annehmen. Die Ernteschäden sind auf die genannten Wetterextreme zurückzuführen und können präzise quantifiziert werden. Alljährlich ist eine hohe, wenn auch stark schwankende Anzahl von Einzelereignissen (Schadensfrequenz) in unterschiedlichen Anbauregionen zu verzeichnen. Dies ermöglicht Versicherern, das Risiko verlässlich zu kalkulieren. Ernteausfälle durch Trockenheit hingegen treten dagegen meist großräumig (überregional) auf. Sie zeichnen sich durch eine geringere Schadensfrequenz bei hohem einzelbetrieblichen sowie volkswirtschaftlichen Schadenspotenzial aus (Kumulrisiken). Die einzelbetrieblichen Ertragsschäden sind schwerer zu quantifizieren, da sie neben den Witterungsereignissen durch Faktoren wie Bodenqualität und Bestandsführung beeinflusst werden. Die ausgeprägten Schwankungen und die hohen Gesamtschäden machen es für Versicherer zur Herausforderung, Risikokapital zur Deckung der Ernteausfälle bereitzustellen. Die Extremjahre 1993 mit Dürreschäden von 2,1 Milliarden Euro, 2003 von 1,6 Milliarden Euro sowie 2018 von fast 3,0 Milliarden Euro zeigen, welche Ausmaße diese sogenannten Kumulschäden annehmen können.

Seriöse Kalkulation erforderlich

Aufgrund des genannten Kumulrisikos müsste ein seriös kalkulierter Prämiensatz für eine schadenbasierte Versicherung auch unter Einbeziehung von Selbstbehalten so hoch liegen, dass die Landwirte eine derartige Versicherung wirtschaftlich allein nicht aufbringen konnten. Die Rede wäre – je nach Region und Kultur – von…