Erschienen in Ausgabe 6-2019Politik & Regulierung

Versicherer im Zeitstress

Wie der Meldeprozess unter Solvency II optimiert werden kann

Von Dr. Alexander Ludwig und Jens Kruk und Katharina KrügerVersicherungswirtschaft

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Tag um Tag. Woche um Woche. Zeitliche Engpässe sind bei der Erstellung der Solvency II-Meldung – sowohl zu Quartal als auch zu Jahresende – schon seit der Vorbereitungsphase im Jahr 2015 keine Seltenheit, sondern bei vielen Versicherern regelmäßig Teil der Meldeprozesse. Die Q4-Meldung zum Stichtag 31. Dezember 2018 war binnen sechs Wochen zu leisten und bedeutet für die Mehrheit der Versicherer parallel zum bilanziellen Jahresabschluss erhebliche Anstrengungen. Zusätzlich problematisch ist, dass die Q4-Meldung stets die erste Meldung nach einem Wechsel der Taxonomie darstellt, so dass die Testzeiträume bzgl. der neuen Taxonomie und des Updates von Meldewesen-Software klein sind und bei Fehlern in einzelnen XBRL-Validierungsregeln weitere Verzögerungen entstehen können.

Seit der Vorbereitungsphase im Jahr 2015 sind die Anforderungen an die Solvency II-Meldung stetig gewachsen: Quartärliches Reporting, EZB-Reporting und das narrative Berichtswesen verlangen der europäischen Versicherungswirtschaft große Anstrengungen ab. Zusätzliche Belastungen ergeben sich daraus, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen in einem ständigen Wandel begriffen sind. So ändern sich fachliche und strukturelle Anforderungen an die Meldung, sowie das XBRL-Regelwerk mit hoher Frequenz. Typische Stresssituationen im Rahmen des Meldeprozesses können zum Beispiel durch drohende Testatsverweigerung des Wirtschaftsprüfers oder einer Vielzahl von zu korrigierenden XBRL-Fehlern hervorgerufen werden. Beide Fälle kommen in der Praxis vor und es wäre jeweils die reguläre Abgabe der Meldung in Gefahr, mit potenziell weitreichenden Folgen für das betroffene Versicherungsunternehmen.

Dem gegenüber stehen die sukzessiv verkürzten Fristen für die Veröffentlichung der Solvency II-Meldebögen und Berichte bis 2020 – während zur Quartalsmeldung 2017 noch sieben Wochen zur Verfügung standen, wird bis zum Jahr 2019 die Abgabe der Quartalsmeldung binnen fünf Wochen nach Meldestichtag erfolgen. Eine noch drastischere Verkürzung der Meldefrist erfolgt bei der Jahresmeldung, die pro Jahr um zwei Wochen zu beschleunigen und ab dem Jahr 2020 bis Anfang April fertigzustellen ist. Darüber hinaus ist zusätzlich die Option der EZB zu beachten, durch die eine weitere Verkürzung der Meldefrist für die Quartalsmeldung auf 4 Wochen resultieren kann.

Abbildung 1: Verkürzung von Fristen zwischen 2017 und 2019
Abbildung 1: Verkürzung von Fristen zwischen 2017 und 2019Quelle: zeb

Modernisierung des Solvency II-Meldeprozesses

Zur Erreichung der regulatorischen Anforderungen an…