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Erschienen in Ausgabe 6-2019Unternehmen & Management

Reif für die Ernte

Der Markt scheint reif für parametrische Versicherungen. Treiber sind neben neuen Risiken auch die schier unendlichen Möglichkeiten der Digitalisierung.

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Klassischerweise versichern deutsche Landwirte ihre Ernten gegen Hagel – und zuweilen auch gegen Sturm, Starkregen und Frost. Dürre gilt für die deutsche Scholle erst seit jüngstem als Risiko. Der Hitzesommer 2018 verursachte nach Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft rund zwei Milliarden Euro Dürreschäden. Die Schäden waren damit vier Mal so hoch wie im langjährigen Mittel. Und das Frühjahr 2019 gilt vielerorts auch bereits als zu trocken. Ende Januar kam die SV Sparkassenversicherung mit ihrer „SV ErnteIndex“ auf den Markt. Als Landwirtschaftsversicherer wolle man mit dieser Mehrgefahrenversicherung, die auch die finanziellen Folgen von Dürre, Starkfrost oder längerem nassem Wetter absichert, eine Lücke im Portfolio schließen, sagt ein Unternehmenssprecher. Da es sich bei dem Vertrag nicht um einen verlustbasierten Vertrag handelt, würden komplexe und potenziell zeitaufwändige Schadensfeststellungen vermieden. Dies soll den SV ErnteIndex „durchaus etwas günstiger als etablierte Produkte“ machen. Allerdings sei die Absicherung „als Ergänzung zu den klassischen Ernteversicherungen und nicht als 1:1-Ersatz gedacht.“

Durch die Maschen gerutscht

Das Produkt ist eine Indexversicherung. Die Leistung fällt an, wenn der zehnjährige durchschnittliche Ernteertragsindex des Landkreises, in dem sich die Agrarfläche des Versicherungsnehmers befindet, unterschritten wird. Dabei legt der Landwirt Ertrags- und Marktpreisprognosen zum Zeitpunkt des Erwerbs des Produkts selbst fest. Die Deckung hängt also nur davon ab, ob diese Kriterien erfüllt sind – unabhängig davon, ob der Landwirt tatsächlich einen Verlust erlitten hat.

Index- oder parametrische Versicherungen gibt es schon mehr als 20 Jahre. Die VHV bietet beispielsweise ihre Wetterrisikoversicherungen mit parametrischen Triggern seit 2013 an, tut dies aber eigenem Bekunden nach „nur auf Anfrage und nur für Versicherungssummen ab einer Million Euro“. Dabei beschränkt sie sich nicht auf die Landwirtschaft, sondern richtet sich an alle wetterabhängigen Branchen. Im Baugewerbe, beim Winterdienst, den Energieversorgern, den Veranstalter von Open-Air-Events, den Betreibern von Windrädern oder der Flussschifffahrt gibt das Wetter oft den Ausschlag über Erfolg oder Misserfolg. Versicherbar sind bei der VHV Frost, Schneefall und Schneehöhe, Regen, Temperaturen sowie alle Wetterphänomene, die einen Geschäftsbetrieb behindern können und über die Messdaten beim Deutschen Wetterdienst (DW) vorhanden…