Quelle: Boeing
Erschienen in Ausgabe 6-2019Schlaglicht

Bestellt und nicht abgeholt

Boeing drohen Schadenersatzansprüche von Opfern und Airlines in Milliardenhöhe. Als existenzbedrohend für das US-Unternehmen gilt aber vor allem das Flugverbot. Nur ein Teil davon ist abgesichert. Trotzdem reicht das, um die Luftfahrt- und Rückversicherer in schwere Turbulenzen zu bringen. 

Von David Gorr und Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Es glich schon fast einer Revolution, was im Mai auf der jährlichen Boeing-Hauptversammlung passierte. Ein Drittel der Aktionäre stimmte dafür, dass der CEO des US-Luftfahrtriesen, Dennis Muilenburg, seinen Posten als Chairman des Unternehmens aufgeben soll. Viele US-Manager genießen eine unbegrenzte Macht und kontrollieren sich im Verwaltungsrat im Prinzip selbst. Aber ohne Widerspruch, geschweige denn echte Kontrolle, heben viele davon ab und machen Fehler. General Electric wäre an diesem Missmanagement beinahe zerbrochen. Boeing ist jedoch "too big to fail". Zur Abwahl von Muilenburg als Chairman reichte es am Ende nicht, dabei hätten der Flugzeugbauer und sein Chef den Weckruf dringend gebraucht. Denn die Zweifel an der Kultur der Firma und der Sicherheit der Flugzeuge werden immer größer. Zwei Abstürze innerhalb von fünf Monaten, immer neue Berichte über Probleme bei der Technik, Schlamperei in der Produktion. Die Flugzeuge bleiben immer noch weltweit am Boden. Nun räumte Boeing ein, dass man bereits ein Jahr vor dem ersten Absturz einer 737-Max-Maschine von einem Softwareproblem der Modellreihe wusste. Aber Muilenburg "war nicht in die Untersuchung involviert und hat davon erst 2018 nach dem Lion-Air-Unfall erfahren“, teilte Boeing mit. Dabei hat der 55-Jährige  Luft-und Raumfahrttechnik studiert, war im Laufe seiner Karriere an der Entwicklung mehrerer Flugzeuge beteiligt und soll als CEO und Chairman keine Kenntnisse von technischen Problemen eines Modells gehabt haben, das knapp ein Drittel zum Umatz und einen Großteil zum Gewinn beiträgt? Ein klarer D&O-Fall - könnte man meinen - falls Muilenburg wichtige Informationen über technische Softwareprobleme weder der Aufsicht noch den Aktionären mitteilte. Sein Krisenmanagement beschränkte sich bislang auf vorgefertigte Videobotschaften und Statements. Eine Pressekonferenz nach der Hauptversammlung beendete Muilenburg abrupt. „Wir haben uns bei dem Entwurf der Maschine an alle Prozesse gehalten, die dazu führen, dass unsere Flugzeuge sicher sind. Diese Kultur hat dazu geführt, dass diese Industrie so sicher ist", betont er.

Jedes Wort liegt auf der Goldwaage: Alles, was Boeing-Chef Dennis Muilenburg jetzt zu den Softwareproblemen sagt, kann gegen ihn und seine Firma verwendet werden – als Schlagzeile und vor Gericht.
Jedes Wort liegt auf der Goldwaage: Alles, was Boeing-Chef Dennis Muilenburg jetzt zu den Softwareproblemen sagt, kann gegen ihn und seine Firma verwendet werden – als Schlagzeile und vor Gericht.Quelle: picture alliance/AP Photo

"Safety first" gilt lange nicht mehr

Die Industrie will aber höher, schneller, weiter - mit möglichst geringer Wartung und wenig Kerosin auskommen…