Quelle: DAV
Erschienen in Ausgabe 6-2019Märkte & Vertrieb

„Auch in der Big-Data-Ära muss es Menschen geben, die kritisch hinterfragen und mit mathematischen Tests überprüfen“

Dr. Guido Bader, neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung, über Nachwuchsprobleme in einem Schlüsselbereich der Versicherungsbranche

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Mit rund 5.350 Mitgliedern zählt die Deutsche Aktuarvereinigung zu den sechs größten Vereinigungen von Versicherungs- und Finanzmathematikern weltweit. Reichen diese Kapazitäten der Branche?

Dr. Guido Bader: Im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft fehlt uns eine signifikante Zahl an Aktuaren – sicherlich vierstellig. Nicht nur Versicherungen und Banken würden gerne mehr Aktuare einstellen, auch Wirtschaftsprüfer, die Aufsicht, Ministerien oder Beratungsgesellschaften und viele mehr. Es gibt einen insgesamt großen Bedarf an aktuariellem Know-how.

Kürzlich haben Sie 266 neue Versicherungs- und Finanzmathematiker in die DAV aufgenommen. Die Nachwuchsförderung funktioniert also, oder?

Auf den ersten Blick sogar sehr gut. Aber hier haben wir auch noch eine echte Aufgabe vor uns. Es gibt einzelne Universitäten, bei denen in den Studiengängen der Mathematik die Laufbahn zum Aktuarsberuf quasi vorgezeichnet ist. An andern bleibt der Begriff des Aktuars bis zum Ende des Studiums unbekannt. Zusammen mit unserer Schwestervereinigung der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik e.V. (DGVFM) versuchen wir, den Aktuarsberuf bekannter zu machen. Das bleibt eine der großen Herausforderungen für die Zukunft. In den USA weiß im Prinzip jeder, was ist ein Aktuar ist, und dass dies ein sehr attraktiver Beruf ist. Für Deutschland wäre ich froh, wenn wir in den nächsten Jahren die Bekanntheit ein kleines Stückchen erhöhen könnten. Und daran werden wir arbeiten. Wir leiten jetzt sukzessive Maßnahmen dazu ein.

Welche Maßnahmen werden das sein?

Ich möchte das unter zwei Stichworten zusammenfassen: Zum einen Kommunikation und zum anderen öffentliche Positionierung. Wir werden uns künftig zu mehr Themen äußern, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht mit dem Aktuariellen verortet, die aber ganz eng mit dem Aktuarsberuf zu tun haben. Hierzu zählt insbesondere der Bereich Künstliche Intelligenz und Big Data. Zudem haben wir die Pressearbeit ausgebaut und personell verstärkt.

Müssen die Versicherungsunternehmen etwas tun, damit der Beruf des Aktuars attraktiver wird?

Das ist eine schwierige Frage. Eine einfache Antwort wie „Sie müssen mehr Geld bezahlen“ wäre mir zu plump. Zumal ich ja als Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung auch genau weiß, dass die Branche auf die Kosten achten muss. Die Attraktivität des Berufs lässt sich sicherlich steigern, indem flexiblere Arbeitsumfelder generiert werden und die berufsbegleitende…