Erschienen in Ausgabe 6-2019Politik & Regulierung

Am Ziel vorbei

Vertriebe und Anbieter lassen Potenziale fondsgebundener Rentenversicherungen häufig ungenutzt

Von Ulrike Janitz-SeemannVersicherungswirtschaft

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Schon immer haben Steuern einen großen Einfluss auf den Absatz von Lebens- und Rentenversicherungen gehabt. Wenngleich die Umsetzung in verkaufsfördernde Aktivitäten nicht immer vom Start weg gut gelingt, z. B. Absatz von Riester und Basis-Renten. Die Investmentsteuerreform 2018 bietet signifikante Vorteile für den Absatz von fondsgebundenen Rentenversicherungen, den es im Vertrieb zu platzieren gilt.  Die Materie ist kompliziert und nicht einfach zu schulen. Bankvertriebe und allen voran der deutsche Fondsverband BVI bemühen sich, die fiktive Besteuerung von Erträgen aus Investmentfonds herunterzuspielen. Das gelingt nur bei kleinen Anlagesummen und durch den aktuell niedrigen Basiszins. Steigen die Anlagevolumina und der Zins, dann wird die Vorabpauschale zu einer empfindlichen Belastung.  Steigende Anlagevolumina in chancenreichen Anlagen bei Privatkunden sind in den nächsten Jahren zu erwarten: In der aktuellen Niedrigzinsphase müssen viele Kunden ihre Altersversorgung chancenorientiert anlegen, wodurch die Volumina in Investmentfonds und Sondervermögen bei Privatkunden ansteigen.

 

Grundsätzliche Kritik an der Vorabpauschale:

  • Was die Besteuerung fiktiver Erträge prinzipiell in Frage stellt ist, dass ein etwaiger fiktiver Verlust aus dem vorherigen Jahr oder im nächsten Jahr die Vorabpauschale nicht mindert.
  • Das Verfahren der Vorabpauschale kürzt den Sparerfreibetrag und wirkt damit wie eine Steuererhöhung.
  • Sehr große Vermögen werden von diesem Verfahren eher kaum belastet, da diese oftmals in Unternehmen bzw. Stiftungen stecken.
  • Erträge aus Direktinvestments, wie z. B. Rohstoffe und Edelmetalle werden weiterhin erst bei Veräußerung besteuert.
  • Bei Vererbung langjährig gehaltener Investmentfondsvermögen ergeben sich hoch komplizierte Berechnungen zur Bestimmung der Steuerlast.
  • Das Verfahren ist für Bürger wenig verständlich, weshalb die sich damit nicht auseinandersetzten.
  • Die Besteuerung fiktiver Erträge trifft im Kern die Mittelschicht der privaten Anleger.

Die Vorabpauschale wird nicht auf geförderte und private fondsgebundene Rentenversicherungen angewendet. Auch nicht bei einer vorzeitigen Entnahme des Kapitals. Eine große Chance für den Vertrieb von fondsgebundenen und kapitalmarktnahen Rentenversicherungen. Dafür müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen kurz und knapp für den Vertrieb aufbereitet werden. Die Anlage in private fondsgebundene Rentenversicherungen ist für Rentner, Familien/Zusammenlebende, und Kinder von großem Vorteil, auch wenn…