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Erschienen in Ausgabe 5-2019Schlaglicht

Wer wird hier der Boss?

Im Kampf um die Führungskräfte von morgen, müssen sich viele Versicherer umstellen. Ein gutes Gehalt reicht heute oftmals nicht mehr, um die begehrten Talente zu überzeugen.

Von Martin ThalerVersicherungswirtschaft

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Dass es für Unternehmen derzeit nicht leicht ist, geeignete Fachkräfte zu finden, kann man bereits an der Wortwahl erkennen. Von einem Kampf um Nachwuchskräfte ist in der Presse zu lesen, woanders wird über einen „War on Talents“ geschrieben. Das klingt martialisch, bildet die schwierige Situation vieler Unternehmen allerdings akkurat ab: Geeignete Talente für offene Positionen zu finden, ist für die Unternehmen mit immer mehr Aufwand verbunden – nicht allein aufgrund der sich verändernden demografischen Realität.
Die Versicherungsindustrie bildet hier keine Ausnahme. Im Gegenteil: Für sie erhöht sich der Schwierigkeitsgrad noch einmal, da Versicherer in der Gunst vieler Studenten eher schlecht abschneiden. Laut der letzten EY-Studentenstudie nannten nur vier Prozent aller befragten Studenten die Versicherungsindustrie als besonders attraktiv. Noch verheerender sieht es bei den Studenten mit exzellenten Leistungen, den sogenannten High-Potentials aus. Talente, die in allen Branchen heiß begehrt sind. Gerade einmal ein Prozent besagter Top-Studenten benannte Versicherungen als attraktiv für die Karriere – hoher Einstiegsgehälter zum Trotz. „Die Konkurrenz um die begehrten Arbeitskräfte ist groß“, sagt Professor Dr. Fred Wagner. Der Direktor des Instituts für Versicherungslehre an der Universität Leipzig sieht die Talentegewinnung eng mit einem kulturellen Wandel bei den Versicherern verknüpft. Ein Wandel, der außerhalb der Versicherungsindustrie teilweise schon weitaus stärker vorangeschritten ist.  „Es geht hier um Themen wie Work-Life-Balance, Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten oder Home-Office-Angebote“, meint Wagner. Zudem habe er beobachtet, dass junge Menschen vor allem zu den Unternehmen gingen, wo die neuesten Methoden bzw. Technologien angeboten werden. In traditionellen Versicherungshäusern sei hiervon jedoch zumeist wenig zu sehen. „Aber das ist die Zukunft der jungen Leute. Wenn sie jetzt nicht in Unternehmen gehen, die bei Techniken wie webbasiertem Arbeiten oder Cloud-Computing Schritt halten, wird es für sie später schwierig, andere attraktive Arbeitgeber zu finden“, ist Wagner überzeugt.

Auf die Soft Skills kommt es an

Für die Versicherer hat sich die Situation durch die InsurTech-Welle der vergangenen Zeit noch einmal verschärft. „Es reicht aber nicht, allein auf die Insur- und FinTech-Unternehmen zu schauen“, sagt Wagner. Sämtliche innovativ-zukunftsorientierten Unternehmen stünden mit den Versicherern in Konkurrenz um die begehrten…