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Erschienen in Ausgabe 5-2019Unternehmen & Management

Krawatten machen Manager - und die ändern sich!

Was das Fehlen von Krawatten über Versicherungschef wirklich aussagt

Von Stefanie DillerVersicherungswirtschaft

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Heute Morgen saß ich wieder einmal im Frühstücksraum eines Hotels und was glauben Sie, wie viele von den vierzig Businessmännern da eine Krawatte trugen? EINER! Eine einzige Krawatte! Immer mehr Männer treten in der Öffentlichkeit ohne Binder auf. Ist das eine Laune der Mode oder steckt da noch mehr dahinter? Seit dem Industriezeitalter um 1860 gibt es die bis heute gleich gebliebene Krawattenform. Die Mächtigen aus Industrie, Politik und Wirtschaft schmückten sich alle mit diesem repräsentativen Sinnbild.  Angetrieben durch die Digitalisierung, die mit einem großen gesellschaftlichen und kulturellen Umbruch einhergeht, sind Agilität und Innovationsfreude gefragt. Dabei verliert die Präsentation von Förmlichkeit sichtbar an Gewicht. Seit einigen Jahren befreien sich immer mehr Unternehmen davon und lösen damit den altbewährten Dresscode auf. Wer die Welt aus den Angeln heben will, muss eben anpacken, braucht Mut und Kraft – aber keine Krawatte. 

Oben ohne ist In: Auch wenn BMW-Chef Harald Krüger mit Daimler-CEO Dieter Zetsche nicht immer den neuesten Automobil-Trends folgen, modisch sind sie sich einig und lassen den Schlips weg.
Oben ohne ist In: Auch wenn BMW-Chef Harald Krüger mit Daimler-CEO Dieter Zetsche nicht immer den neuesten Automobil-Trends folgen, modisch sind sie sich einig und lassen den Schlips weg.Quelle: picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa

Binder sind gefragt, nur nicht in der Business-Welt

Diese Erkenntnis ist mittlerweile in viele deutsche Traditionskonzerne geschwappt. Manager großer Konzerne wie Siemens-Boss Joe Kaeser oder der zukünftige Daimler-Chef Ola Källenius passen sich dem Zeitgeist an und lassen die Krawatte bei öffentlichen Auftritten immer öfter weg. Ein Anzug ohne Krawatte spiegelt die Aufgeschlossenheit für Neues wider und zeigt den kulturellen Wandel im Konzern. Versicherungsmakler Mark Fellman wird dabei noch persönlicher und sagt: „Ich bekomme einfach mehr Luft". Sogar der amerikanische Krawattenverband reagierte und löste sich schon 2008 auf, sechzig Jahre nach seiner Gründung. Bindungslosigkeit ist heute also keine ästhetische Rebellion mehr, sie zeigt viel mehr den Mainstream.
Im Gegenzug beobachten die besten Hersteller von edlen Krawatten wie Drake´s aus London keinerlei Einbrüche, im Gegenteil. Es wächst die Anzahl der Bestellungen für Maßkrawatten, es gibt eine große Nachfrage nach handgearbeiteten Modellen mit handrollierten Kanten. Die Liebe zum Detail wird hier teuer bezahlt, die Krawatte wird zum geschätzten Luxusartikel und ihre Tradition macht sie zum Prestigeobjekt, ähnlich wie das bei mechanischen Armbanduhren oder einem Füllfederhalter passiert.

Der Casual-Look symbolisiert