Erschienen in Ausgabe 5-2019Politik & Regulierung

Warum die Verbraucherzentralen bei den Bestandsversicherern falsch liegen

Anmerkungen zum Forderungspapier der VZBV vom 01.04.2019 zur Behandlung von Run-Off-Beständen

Von Dieter KrauseVersicherungswirtschaft

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Die Diskussion um den sog. Run-Off in Leben wird seit fast zwei Jahren von unterschiedlichen Beteiligten kontrovers und teilweise recht emotional geführt. Anlass war in 2017 die Absicht, die Anteile an größeren Lebensversicherern (LVU) , die das Neugeschäft einstellen, zu verkaufen. Der Evaluierungsbericht des BMF aus Juni 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass „die BaFin … über umfassende Befugnisse (verfügt) und … sorgfältig jeden Fall eines externen Run-offs (prüft).“ Während man deshalb seit einiger Zeit davon ausgehen konnte, dass die BaFin die Belange der betroffenen LVU und deren Kunden (VN) durch aufsichtsrechtliche „Leitplanken“ ausreichend schützt und damit die Grundlage für das notwendige Vertrauen in die relativ jungen Abwicklungsplattformen von Lebensversicherungen, besser wohl als Bestandsversicherer bezeichnet, legt, schlägt die Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) in ihrem Forderungspapier „Faire Behandlung in Run-Off-Beständen gewährleisten“ vom 01.04.2019 weitergehende Änderungen und Ergänzungen im Aufsichts- und Zivilrecht der Lebensversicherung vor, auf die nachfolgend kurz eingegangen werden sollen.

Verunsicherung, Ohnmacht und Vertrauensverlust der Kunden

Der VZBV berichtet davon, dass die Ankündigung der Veräußerung der LVU bei den Kunden (VN) zur Verunsicherung führt, diese sich derartigen Transaktionen mangels eigener Mitwirkungsmöglichkeit ohnmächtig ausgeliefert fühlen und das Vertrauen in „Ihren“ Versicherungskonzern verlieren. Diese emotionalen Reaktionen der Kunden sollen nicht in Abrede gestellt werden, denn welcher Kunde vermag auf Anhieb ohne Erläuterungen „seine“ Lebensversicherung als Produkt und etwaige hinter dem Wechsel der Versicherers stehenden Implikationen auf sein Versicherungsprodukt einordnen.? Faktisch ist dies selbst für den Profi aufgrund der Komplexität aus ökonomischen, aktuariellen sowie aufsichts- und zivilrechtlichen Aspekten nur schwer möglich. Dies heißt aber nicht, dass man dem Fluchtreflex sofort nachgeben sollte, weil man „seinem" Versicherer in der Vergangenheit blind vertraut hat und die neuen Anteilseigner noch nicht beurteilen kann. Mit der erforderlichen Kommunikation kommt allen an der Transaktion Beteiligten – Unternehmen, Vertriebe, Arbeitnehmervertretungen etc. - sicher eine wichtige vertrauensbildende Aufgabe zu. Ebenso wichtig ist jedoch auch eine objektive und an den ökonomischen und rechtlichen Fakten orientierte Beratung durch die Verbraucherschützer und andere, denn auch…