Quelle: Zander
Erschienen in Ausgabe 5-2019Märkte & Vertrieb

„Provisionsdeckel führt dazu, dass noch mehr Vermittler ihren Beruf aufgeben“

Allianz-Generalvertreter und Bipar-Präsident Ulrich Zander über sein Engagement für internationale Vermittlerorganisationen und die Zukunft des Vertriebs

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Wie kommt man als „normaler“ Vertreter zu einem Engagement beim BVK und beim europäischen Versicherungsvermittlerverband BIPAR?

Aufgrund meiner juristischen Ausbildung wurde ich schon früh in verbandspolitische Themen eingebunden. Über den Arbeitskreis der deutschen Vertretervereinigungen AVV wurde ich in das Präsidium des BVK gewählt und übernahm dort 2002 u. a. die Kommission für EU- und Auslandsfragen. Seit 2007 bin ich Mitglied des Präsidiums des europäischen Vermittlerverbandes BIPAR, mit 53 Verbänden aus 30 Nationen, dem ich seit 2017 vorstehen darf. Die Möglichkeit Einfluss zu nehmen – sowohl in Brüssel bei den Gesetzesinitiativen als auch in Berlin –, Neugier und die Freude an neuen Herausforderungen waren sicher die Hauptmotive für meinen Einsatz. Oft fehlt den Entscheidern die Kenntnis, welche Auswirkungen neue Richtlinien und Verordnungen für die Vermittler haben. Diese Kenntnisse haben wir einzubringen, um Schaden für unseren Berufsstand zu vermeiden.

Was haben Sie in den Jahren Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für Ihren Berufsstand und die Branche erreicht? Hat sich der Aufwand gelohnt?

Ja, in jedem Fall. Sowohl in meiner eigenen Vertretervereinigung, ich leite dort seit fast 20 Jahren die Rechtskommission, aber auch auf nationaler und internationaler Ebene haben wir mitgestaltet, verhindert, ja Einfluss im Interesse der Vermittler genommen, wobei ich ein Teil davon war. Die Verhinderung eines Provisionsverbotes oder einer zwingenden Provisionsoffenlegung in der IDD sind Erfolge für uns Vermittler, genauso wie die Wettbewerbsgleichheit mit Beratungspflicht für alle Vertriebswege, auch für Vergleichsportale. Auch die gesetzliche Normierung des Provisionsabgabeverbots im VAG war von uns initiiert und nicht einfach zu erreichen. Inzwischen sind wir gut vernetzt, sowohl in Brüssel als auch in Berlin, sind bei vielen Ausschüssen und Kommissionen unserer Branche beteiligt. Wir werden gehört und unsere Beurteilung und Bewertung der aktuellen Themen ist gefragt.

Können Sie jüngeren Kollegen auch zu einem solchen Engagement raten? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit man sich neben seiner Vertreter- oder Maklertätigkeit für die Belange der Kollegen einsetzen kann?

Es ist wichtig, über den eigenen Tellerrand zu schauen, um das eigene Handeln richtig einordnen zu können. Man bringt nicht nur etwas für die Kollegen ein, man bekommt auch viel zurück, bekommt einen Blick für das Ganze. In den verschiedenen Gruppen lernt man tolle Kollegen kennen…