Erschienen in Ausgabe 5-2019Trends & Innovationen

„Dinge, die man langfristig besitzen will, soll man in der Blockchain speichern? Das macht keinen Sinn.“

Von Dirk PappelbaumVersicherungswirtschaft

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Beim Thema Blockchain scheint die Welt verrückt zu spielen. Die ständige Angst einiger Vorstände und Experten, den nächsten Hype nicht zu verpassen, hat hier eine neue Qualität erreicht. Dabei haben wir als Versicherungsbranche nun wirklich nicht den Ruf, besonders innovationsfreudig zu sein. Man mag gar nicht ausrechnen, wie viele Milliarden durch übereilte Investitionen in das Thema Blockchain gerade verbrannt werden. Das vollmundige Versprechen, (Personal-)Kosten zu senken, steht einer sachlich-nüchternen Analyse im Weg. Die Euphorie verhindert ein Nachdenken über andere, vielleicht weniger anspruchsvolle Ansätze, die besser geeignet wären, die Digitalisierung der Branche anzutreiben.
Im Wettlauf um die erste (beste) Blockchain-Lösung in der Versicherungswirtschaft ist der Axa ein vermeintlicher Erfolg gelungen. Anstatt sich zu fragen, warum die eigene IT-Abteilung mit ihrem über Jahrzehnte aufgebauten Fachwissen den Konzern nicht schnell genug in die digitale Welt führt, investiert man lieber in Start-Ups, die mit Jugend und Visionen glänzen, auf fachliche Erfahrung aber leider gänzlich verzichten müssen. - Mittels Blockchain kann man sich jetzt gegen Flugausfälle absichern. Das geht übrigens vollautomatisch, weil ja die Fluggesellschaft nur melden muss, dass der Flug ausgefallen ist. Das versicherte Risiko ist also leicht festzustellen, es muss nichts weiter geprüft werden. Stellt sich eine simple Frage: Warum hat man das nicht mit einer konventionellen Datenbank und einer konventionellen Webservice-Schnittstelle gelöst? Warum hat man mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Geschwindigkeit ist das Argument. Man wirbt damit, dass es über die Blockchain schneller geht. In Zeiten von Paypal kann man auch jetzt schon Geld sehr schnell an den Kunden zahlen, schneller kann es die Blockchain sicher nicht. Die einzige Erklärung, die mir dazu einfällt: Man wollte unbedingt eine Lösung auf Basis einer Blockchain. Ob es Sinn hat, stand überhaupt nicht zur Debatte. So geht man dem Hype auf den Leim.
Wir haben uns als mittelständisches IT-Unternehmen naturgemäß mit diesem Thema sehr intensiv beschäftigt. Unsere nüchterne Erkenntnis - die Revolution findet nicht statt! Als wir versuchten, die Blockchain in die eigenen Geschäftsprozesse zu integrieren bzw. diese damit sogar abzulösen, ist von den vollmundigen Ankündigungen und Verheißungen nichts übriggeblieben.Spinnt man den Faden der Blockchain-Gurus (Verkäufer?) weiter, addiert man die zahlreich postulierten…