Abbildung 1: Entwicklung Höchstrechnungszins und Musterportfolio (Rendite 10-jähriger Bundesanleihe + 200 Basispunkte)
Abbildung 1: Entwicklung Höchstrechnungszins und Musterportfolio (Rendite 10-jähriger Bundesanleihe + 200 Basispunkte)
Erschienen in Ausgabe 5-2019Politik & Regulierung

Der Aufpreis, der viele Väter hat

Sowohl die Klassik als auch neue Garantieprodukte leiden unter hohen Kosten. Ein neues magisches Dreieck aus Rendite, Kosten und Risiko zeigt, welche  Wechselwirkungen im Kapitalanlagemanagement aufeinander einwirken.

Von Dr. Thomas M. TreptowVersicherungswirtschaft

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Insbesondere im anhaltenden Niedrigzinsumfeld ist es schwierig geworden, auskömmliche Kapitalanlageerträge zu erwirtschaften um damit attraktive Überschussbeteiligungen für Versicherungen nach Art der Leben darstellen zu können. Einerseits steigt das Risiko in den Kapitalanlageportfolien alleine durch die Marktentwicklungen, also ohne dass Anpassungen in der Asset Allokation vorgenommen werden, beziehungsweise ohne dass die erwarteten Erträge im korrespondierenden Ausmaß mitwachsen. Andererseits ist über die letzten Jahre für das Kapitalanlagemanagement ein Anreiz entstanden, höhere Risiken einzugehen, sofern dies durch regulatorische und eigene Risikovorgaben noch möglich ist, um wenigstens noch ansatzweise attraktive Renditen zu erzielen.

Hohe Kosten schlecht für klassische Produkte

Klassische Produkte nach Art der Leben, also kapitalbildende Produkte, die eine Mindestverzinsung auf den Sparanteil im Bruttobeitrag garantieren, sind dabei durch die sinkende Überschussbeteiligung und den korrespondierend dazu über die letzten Jahre immer weiter abgesenkten Höchstrechnungszins unter Druck geraten. Die damit verbundenen negativen Aussichten und die Herausforderung im Niedrigzinsumfeld noch den Bestandsrechnungszins auf den Altbestand zu erwirtschaften, haben dazu geführt, dass für viele Anbieter das Lebensversicherungsgeschäft zukünftig keine Wachstumschance mehr darstellt. Mit einem abschmelzenden Geschäftsvolumen klassischer Produkte ist für die Versicherungsunternehmen allerdings der Nachteil verbunden, dass korrespondierend dazu die Kostentragfähigkeit sinkt.
Unterstellt man unter vereinfachenden Annahmen für einen repräsentativen Vertrag, bei dem die Beiträge als Kapitalanlagen über die Periode angelegt werden und die Kostenpositionen nachschüssig anfallen, dass Risiko- und Sonstige Kosten, als Bestandteil des Bruttobeitrags neben dem Sparbeitrag, aktuariell fair kalkuliert sind, und sich in der repräsentativen Periode auch realisieren, so ergibt sich in der Nachkalkulation ein vereinfachter Rohüberschuss aus der Differenz zwischen realisierter Kapitalanlageverzinsung auf den Bruttobeitrag und dem Garantiezins, der auf den Sparbeitrag zu erbringen ist. Für ein realisiertes Geschäftsvolumen weisen klassische Produkte damit nicht nur eine Kostenimmunität auf, sondern höhere Kosten erhöhen potenziell den Rohüberschuss, da sie den Sparanteil senken. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Risikokosten oder Sonstige Kosten handelt. Ebenso ist dieser Effekt