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Erschienen in Ausgabe 5-2019Märkte & Vertrieb

Am seidenen Faden

Die Directors and Officers (D&O) ist zwar etabliert, aber weit davon entfernt, perfekt zu sein: Der Branche beschert sie Verluste, den versicherten Personen oft nicht den erwünschten Erfolg – und den firmengebundenen Vermittler oft genug problematische Situationen.

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Über dem (Miss-)Erfolg der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung, die Unternehmen für ihre Organe und leitenden Angestellten abschließen, lag lange der Mantel des Schweigens. Erst im Herbst letzten Jahres hatte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die bis dato unter der Allgemeinen Haftpflicht ausgewiesenen Zahlen der D&O veröffentlicht. Zumindest die Zahlen von 34 der insgesamt 50 GDV-Mitgliedsunternehmen, die diese Versicherung anbieten. Gezeigt wurden für 2017 eine Summe von 233 Millionen Euro Prämie von geschätzten 300 Millionen, die alle GDV-Mitglieder zeichnen dürften, bzw. 500 Millionen Euro, die das inländische Direktgeschäft ausmachen könnte. Bei einer Schadenquote von 85,3 Prozent nach Abwicklung dürfte es als sicher gelten, dass versicherungstechnisch Verluste gemacht werden. Im Jahr davor lag die Schadenquote den Verbandsangaben zufolge sogar bei 99,1 Prozent.
„Es gibt Versuche im Markt, die Situation zu ändern. Wir erleben gerade wieder, dass die Prämien hoch argumentiert werden. Aber ob das nachhaltig ist und auch wirklich stattfindet, haben wir unsere Zweifel“, sagte Dr. Alexander Mahnke in seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender des Gesamtverbands der Versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) jüngst auf einer Fachkonferenz in Köln. Er erkenne keine Trendumkehr des Marktes. Nicht nur für die veröffentlichten Jahre 2017 und 2016, sondern auch auf längere Sicht hin dürfte die D&O keinen „Payback“ haben. Denn es stünden wieder vermehrt Schadensfälle in der Presse. Mahnke geht davon aus, dass die D&O-Anbieter deshalb quersubventionieren. Dies tun sie, weil sie so einen besseren Einblick und Zugang zu Unternehmen und vor allem ihren Entscheidern erhalten. An die GVNW-Mitglieder, die firmenverbundenen Vermittler bzw. Risikomanager der Unternehmen gewandt, sagte Mahnke, dass es oft noch wichtiger sei die Haftung zu verstehen als die Deckung.

Aus vielen werden zwei

Dass es sich bei den D&O-Sachverhalten um ein Mehrpersonenverhältnis handelt, macht es so kompliziert, erläutert Dr. Fabian Herdter, Wilhelm Partnerschaft von Rechtsanwälten mbH. Die D&O versichert die Organe (Manager, Aufsichtsräte, Prokuristen etc.), die im Schadenfall einen Abwehr- und Freistellungsanspruch aus der Police haben. Der Versicherungsnehmer ist aber das Unternehmen, das einen Anspruch auf Ersatz eines entstandenen (versicherten) Schadens hat. Mehr als 90 Prozent aller Fälle betreffen die Innenhaftung. Das sind Fälle, in denen…