Erschienen in Ausgabe 4-2019Politik & Regulierung

Wenn Norm, dann richtig

Warum es für Vermittler lohnenswert ist, sich die Arbeit nach DIN 77230 zertifizieren zu lassen.

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Zur Erinnerung: Nach gut vier Jahren Arbeit war die DIN-Norm 77230 zur „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“ am 23. November 2018 im Konsens verabschiedet worden. Im entsprechenden Arbeitsausschuss waren und sind Vertreter von Banken, Versicherern, Vertrieben, Verbänden, Initiativen, Verbraucherschützern und Wissenschaftlern vertreten, die ein Spiegelbild der Branche darstellen. Moderator des Prozesses ist das Deutsche Institut für Normung (DIN). Ziel der nun veröffentlichten ersten in Deutschland entwickelten Norm im Finanzbereich ist es, den Analyseprozess in Privathaushalten zu vereinheitlichen und eine ganzheitliche Betrachtung der jeweiligen finanziellen Situation zu ermöglichen.
Ein standardisiertes Vorgehen bei der Analyse könne dafür sorgen, dass auch Normalverdiener als Zielgruppe für ganzheitliche Ansätze in Betracht kommen, da das aufwändige Vorgehen mit herkömmlichen Hilfsmitteln bei dieser Klientel meist nicht profitabel ist, so Dr. Klaus Möller, Vorstand des DEFINO Instituts für Finanznorm AG Heidelberg. DEFINO war maßgeblich an der Initiierung und Erarbeitung der neuen Norm beteiligt. „Bisher ist es oft so, dass ein Kunde von zehn Beratern zehn unterschiedliche Analyse-Ergebnisse bekommt“, erklärt Klaus Möller weiter. „Das ist in etwa so, als ob die Untersuchung einer Blutprobe in zehn unterschiedlichen Laboren zehn verschiedene Werte ergibt. Das ist nicht zu akzeptieren. Die Werte müssen objektiv sein, auch im Finanzbereich.“ Verbraucher bekommen mit der Norm also eine verlässliche und ganzheitliche Auskunft über ihre finanzielle Situation – nach einem standardisierten Verfahren.

DIN-Normen haben Gewicht und Anerkennung

Sie ist kein Gesetz, ihre Verwendung ist freiwillig. Allerdings fungiert sie wie alle DIN-Normen als sogenanntes vorweggenommenes Gutachten und dient etwa vor Gericht als Orientierung, ob eine Beratung ordnungsgemäß verlaufen ist. Insofern ist ihre Anwendung schon von daher empfehlenswert. Vermittler haben zudem den Vorteil, dass sie bei ihrem Analyseprozess zeitsparend auf einem Standard aufbauen können, der anerkannt ist. Aufgrund des hohen öffentlichen Ansehens von DIN-Normen können sie zugleich Vorteile für sich und ihre Beratung generieren. Die Norm ist nicht Teil des Beratungsprozesses, sondern steht zunächst für sich und legt fest, welche Daten im Rahmen einer Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte zu erheben sind. Diese fließen in eine Vermögensbilanz, eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sowie einen Soll-Ist-Abgleich…