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Erschienen in Ausgabe 4-2019Schlaglicht

Internes Protokoll

Als Arbeitgeber vermitteln Versicherer gerne das Bild der stillen Champions. Außen für gute Bedingungen wenig beachtet, innen dafür bestens ausbalanciert. Doch passt dieses Selbstbild noch in eine Zeit, in der das Personal bei Automatisierung nicht an Innovation, sondern Personalabbau denkt? Das Verhältnis Vorstand-Leiter-Mitarbeiter wirkt vielerorts angespannt. 

Von Silvia FischerVersicherungswirtschaft

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Versicherungsunternehmen gelten auch zehn Jahre nach der Finanzkrise als attraktive Arbeitgeber: qualifizierte Jobs, gute Tarifverträge. Laut Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen verdienen ihre Angestellten brutto 40 Prozent mehr und hatten 2017 mit 5,3 Prozent eine um 27,5 Prozentpunkte niedrigere Fluktuation als jeweils der Schnitt über alle Branchen. 204.700 Beschäftigte arbeiteten 2017 bei Versicherern. Aber wird das so bleiben? Ein Paukenschlag eröffnete das Jahr. Allianz-Chef Oliver Bäte sagte über seine Mitarbeiter: „Die, die nicht mitmachen wollen, muss man nach Hause schicken“. Sind die Mitarbeiter also ein austauschbares Gut? Talanx-Chef Torsten Leue strebt einen Kulturwandel an, nach dessen Vollzug „unsere (…) Mitarbeiter weiter mit viel Spaß zur Arbeit gehen“.  Ergo und Axa haben Stellenabbauprogramme, im Management der Düsseldorfer dreht sich unter CEO Markus Rieß das Personalkarussell mächtig.

Was ist also los in der Branche, die sich gerade mit Blick auf die Popularität als Arbeitgeber doch selbst gerne als stillen Champion sieht?  Wie steht es um das Verhältnis zwischen dem Vorstand, den leitenden Angestellten und den Mitarbeitern? Wie ist die Stimmung innerhalb des Konzerns: dominiert der Flurfunk, brodelt die Gerüchteküche? Sind die Kommunikationsmechanismen offen oder herrschen hierarchische Strukturen? Können die Mitarbeiter die Zielrichtung des Gesamtunternehmens durch ihr Engagement beeinflussen? Offiziell äußern sich die Unternehmen in der Öffentlichkeit ungern zu solch brisanten Themenstellungen. Sofern intern solche Ergebnisse vorliegen, wird wenig nach außen gespielt. Das interne Stimmungsbild bleibt eine Geheimakte. 

Gerüchteküche und wilder Flurfunk 

Bekanntlich ist die Branche durch neue Wettbewerber, Regulatorik, Niedrigzinsumfeld, Digitalisierung und die demographische Entwicklung  gewaltig unter Druck. Wer künftig die Nase vorne haben will, muss entscheidungsschnell auf die sich drastisch ändernden Bedürfnisse des Marktes reagieren können. Und dann sollen sich die Versicherer auch noch um die Stimmungslage der Mitarbeiter kümmern? Mitnichten, wie folgende Ausführungen zeigen. Denn nur hochmotivierte und -engagierte Mitarbeiter, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und Überblick haben, können die derzeitigen Herausforderungen stemmen.      

Zunächst zum Wettbewerbsdruck. Hier bestehen zu können bedeutet, den Kunden für sich zu gewinnen. Axa Deutschland oder die R+V stellen den Kunden in den Mittelpunkt ihrer…