Erschienen in Ausgabe 4-2019Trends & Innovationen

"Warum das Potenzial der Frauen links liegen lassen?"

Kommentar von Barmenia-Chef Dr. Andreas Eurich zum Mangel an Frauen in den Vorständen

Von Dr. Andreas EurichVersicherungswirtschaft

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Theoretisch sind Frauen in Deutschland seit 1949 gleichberechtigt – zumindest per Gesetz. Doch das spiegelt sich in der heutigen, modernen Arbeitswelt noch nicht wider, insbesondere in den obersten Führungsriegen deutscher Unternehmen sind Frauen noch immer deutlich unterrepräsentiert, obwohl sie ausbildungsbezogen keinen Rückstand gegenüber den Männern haben. Doch, was haben wir versäumt? Lag es nicht auch an uns, potenzielle Führungsfrauen mehr abzuholen und einzubinden?

Obwohl Frauen 51 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen, 44 Prozent der deutschen Berufstätigen weiblich sind und der Wunsch von Frauen sich am Erwerbsleben zu beteiligen, in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist, sind Frauen in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert. Auch in der Versicherungsbranche, die schon lange keine Männerdomäne mehr ist, sind Frauen in Managementpositionen nach wie vor weniger vertreten. Der Anteil weiblicher Führungskräfte im Innendienst über alle Führungsebenen hinweg stieg in den letzten zehn Jahren von 20 auf 27 Prozent. In der ersten Führungsebene hat sich der Anteil in den letzten zehn Jahren auf gut 15 Prozent fast verdoppelt. Der Frauenanteil in den Vorständen der 60 größten Versicherungsunternehmen hat sich fast vervierfacht, jedoch ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau: von 2,4 Prozent in 2008 auf 9,6 Prozent in 2018.
Auf der Suche nach Ursache und Lösungsansätzen für den Mangel an Frauen in den oberen Führungsgremien, sind die Geschlechter in den Versicherungsunternehmen doch  paritätisch verteilt (53,3% Frauenquote im Innendienst/2017), stößt man doch immer wieder auf Vorurteile und Meinungen, die, auch wenn sie überholt erscheinen, immer noch eine gewisse Aktualität aufweisen.
Auf die Frage von Statista, warum es in Deutschland so wenig Frauen in Führungspositionen gebe, liest man die – meiner Meinung nach - wenig überraschenden Antworten. Eine Umfrage unter Führungskräften zu den Gründen für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland zeigte ein tradiertes Ergebnis. 31,4 Prozent der befragten männlichen Führungskräfte waren der Meinung, dass die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen Hauptgrund für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen darstellt. Dieser Meinung waren 16,9 Prozent der weiblichen Führungskräfte.

Entlastung von der Doppelbelastung

Doch warum besteht auch unter Führungskräften immer noch derartiges Meinungsbild? Schließlich sind Frauen mit Männern juristisch nicht nur…