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Erschienen in Ausgabe 4-2019Märkte & Vertrieb

Die Chef-Flüsterer

Auf der Suche nach dem digitalen Stein der Weisen für Versicherer boomt die Branche der externen Consulter. Ein Überblick über die Beraterlandschaft.

Von Uwe Schmidt-KasparekVersicherungswirtschaft

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Einen gewissen Schock versetzte Paul-Otto Faßbender den Beratungsunternehmen in Deutschland, die sich stark auf die Versicherungsbranche fokussiert haben. Der Vorstandsvorsitzende der ARAG SE stellte fest, dass der digitale Transformationsprozess seines Unternehmens nicht mit „besserwissenden“ Beratungsunternehmen oder den eigenen Vorständen funktioniert. Echte Hilfe verspricht sich Faßbender allein von den wirklichen Experten: Seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die ARAG will sich daher ohne fremde Hilfe aus der eigenen Basis runderneuern. 2018 haben dafür weltweit Teams des Versicherers Vorschläge für die Transformation „entwickelt und verdichtet“. Nun liegen der Unternehmensführung 85 Kernmaßnahmen vor. „Sie werden 2019 bewertet und priorisiert“, so Faßbender. 
Kann das ein Versicherer tatsächlich ohne Hilfe von Consultingunternehmen leisten? Oft können Berater deutlich weiter über den Tellerrand schauen, als im Unternehmen „gefangene“ Mitarbeiter. Mit der Haltung des ARAG-Chefs Faßbender hat Stephan Maier kein Problem. „Es gibt gute und schlechte Gründe einen Berater zu engagieren“, sagt der Partner und Managing Director der EY Innovalue Management Advisors GmbH. Ein schlechter Grund sich fremdberaten zu lassen ist es beispielsweise, wenn der Vorstand kein Standing mehr hat oder seinen Mitarbeitern nicht mehr vertraut. Wer hingegen als Unternehmen nicht mehr „im eigenen Saft“ schmoren möchte oder bei der Einführung eines IT-Systems Engpässe feststellt, der hat gute Gründe sich beraten zu lassen. Derzeit dürfte die Beraterszene über die Assekuranzbranche frohlocken. Denn die große Urangst geht um. Welcher Versicherer findet zuerst die außergewöhnliche, bahnbrechende Geschäftsidee, die disruptiv wirkt und mit der man der Konkurrenz über Jahre enteilen kann. Noch ist ein solcher Schachzug niemandem gelungen. 
Die Digitalisierung hat aber längst das Geschäftsmodell der Versicherer massiv verändert. So müssen die Schnittstellen zum Verbraucher heute digital sein. Herr Kaiser auf dem abendlichen Sofa des Kunden hat längst ausgedient. Aggregatoren, allen voran der Onlineversicherungsmakler und -vergleicher Check24, erreichen immer mehr Kunden. Längst kommen Versicherer – auch wenn sie wie die HUK-Coburg Gruppe alle Vergleichsportale meiden – nicht mehr ohne Google aus. Der Kauf von Werbepositionen, beispielsweise in der jährlichen Wechselhochsaison in der Autoversicherung, kommt die Assekuranzen teuer. Gleichzeitig geht in der Branche die Befürchtung…