Die Umzugskartons sind gepackt: Nicht alle Mitarbeiter werden jedoch mit anpacken, einige Stellen fallen weg.
Die Umzugskartons sind gepackt: Nicht alle Mitarbeiter werden jedoch mit anpacken, einige Stellen fallen weg.Quelle: Provinzial
Erschienen in Ausgabe 3-2019Schlaglicht

Was nicht passt, wird passend gemacht

Hinter verschlossenen Türen wird mit Eifer an der Fusion zwischen Provinzial Rheinland und Provinzial Nordwest gefeilt. Die größten Stolpersteine wurden in den Verhandlungen weggeräumt, nur die Zustimmung der Landesparlamente steht noch aus.

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

Über die Fusion von Provinzial Rheinland und Provinzial Nordwest wird weiterhin verhandelt. Das darf als erfolgversprechendes Zeichen für den aktuellen Fusionsplan gelten. Die beiden öffentlichen Versicherungsgruppen befinden sich seit Herbst letzten Jahres in der Due Diligence – und soweit und tiefgehend ist das Vorhaben eines Zusammenschlusses noch nie getrieben worden. „Die Gespräche über den Zusammenschluss der öffentlichen Versicherer in Nordrhein-Westfalen führen alle Beteiligten mit hoher Intensität weiter“, sagte Prof. Dr. Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (SVWL), am 12. Februar vor der Presse. „Die Arbeiten sind weit fortgeschritten und ich bin sehr zuversichtlich, dass es uns gelingt, einen modernen und wettbewerbsfähigen großen öffentlichen Versicherer zu schaffen.“ Buchholz gilt als eine der Treiberin des aktuellen Fusionsvorstoßes. Bei der Konsolidierung des Sparkassenverbundes sieht sie den SVWL als „Antreiber“ für das Ziel „ein Versicherer, eine Bausparkasse und ein Zentralinstitut“. In der aktuellen Phase werden die wirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Verhältnisse analysiert, um daraus ein Bewertungsverhältnis zu ermitteln. Das Mandat dazu hat Deloitte, unterstützt von den jeweiligen Wirtschaftsprüfer der Gesellschaften. 
Die „Fusion Münster – Düsseldorf“ wurde bisher als „Never-ending-story“ gehandelt. Während Münster die Fühler nach Norden ausstreckte und eine Plattform mit der Provinzial Kiel und der Hamburger Feuerkasse schaffte, schlossen sich die Düsseldorfer mit der kleinen Lippischen Landesbrand zusammen. Die Ehe „Münster-Düsseldorf“ scheiterte doch bereits jedes Mal vor der Verlobung, obwohl beide Gesellschaften sehr ähnlich strukturiert sind, es keine Marktüberschneidungen, dafür aber sehr gleiche Marktauftritte gibt und an vielen Stellen (wie etwa bei der gemeinsamen Poststraße oder auch dem IT-Einkauf) seit Jahrzehnten kooperiert wird.

Eigentümer halten sich bedeckt

Dr. Wolfgang Breuer (Vorstandsvorsitzender der Provinzial NordWest) und Patric Fedlmeier (Vorstandsvorsitzender der Provinzial Rheinland) haben sich zu den Plänen in den letzten Monaten an verschiedenen Stellen positiv geäußert. Das Heft des Handelns liegt allerdings nun bei den Eigentümern, die kaum etwas über den Fortgang ihrer Verhandlungen kundtun wollen. Die Provinzial Nordwest gehört mit jeweils 40 Prozent dem Sparkassenverband Westfalen-Lippe und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe. 18 Prozent liegen beim Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein und die restlichen zwei Prozent beim Ostdeutschen Sparkassenverband. Eigentümer der Düsseldorfer sind zu fast gleichen Teilen der Landschaftsverband Rheinland sowie die Sparkassenverbände des Rheinlandes und von Rheinland-Pfalz. Aussagen zum Verhandlungsstand wollen die Eigentümer nicht machen.

Zeitplan ist in Gefahr

Knackpunkte der letzten Fusionsvorhaben, bei denen 2012 ja auch zeitweilig die Allianz mitmischte, waren im Wesentlichen das Bewertungsverhältnis, Personalfragen und nicht zuletzt die Standortfrage. Letzteres ist vor allem aus dem eher landlich-strukturierten Münster mit vergleichsweise wenig großen Arbeitgebern ein wichtiger Punkt. Personal- und Ortsfragen haben die Eigentümer dieses Mal schon im Rahmen eines Memorandums of Understanding Anfang September gelöst. Danach soll die Holding des fusionierten Instituts in Münster angesiedelt werden, während Düsseldorf der Sitz des gemeinsamen Kompositversicherers mit dem Vertriebsgeschäft wird. Aufgrund des öffentlich-rechtlichen Vertrages mit dem Land Schleswig-Holstein soll Kiel den Zuschlag für den Sitz einer Lebensversicherung und der Provinzial Nord Brandkasse AG bekommen. Die Schwerpunktaktivitäten in Rheinland-Pfalz sollen zumindest beibehalten, möglichst aber ausgebaut werden. Alle anderen Standorte wie etwa Detmold (Lippische Landesbrand) oder Hamburg (Hamburger Feuerkassen) sollen regionale Niederlassungen mit operativen Funktionen werden. 
Auch auf die gleichgewichtige Besetzung der Aufsichtsräte und den Besetzungsmodus des Aufsichtsratsvorsitzes der Holding will man sich den Angaben zum Memorandum schon verständigt haben. Zudem soll es eine Verständigung über die Grundsätze der Vorstandsbesetzung auf der Holdingebene geben. Namen wurden bisher nicht genannt. Pressemeldungen, wonach Breuer zunächst Vorsitzender und Fedlmeier sein Stellvertreter werden soll, wurden aber auch nicht dementiert. Fraglich ist, ob der Zeitplan zu halten ist: Die Fusion soll rückwirkend zum 1. Januar 2019 umgesetzt werden. Zwar ist für die Provinzial Rheinland eine Lösung gefunden worden, bei der die Obergesellschaft nicht mehr in eine Aktiengesellschaft privatisiert werden muss, doch müssen die Landesparlamente in NRW und Rheinland-Pfalz noch der Änderung des Staatvertrages zustimmen, weil sich die Geschäftsgebiete der beteiligten Fusionsgesellschaften ändern. Gegenwind ist hier keiner zu erwarten – aber es könnte dauern.