Erschienen in Ausgabe 3-2019Unternehmen & Management

Taktiken gegen Trump

Europa im Handelskrieg

Von Eric BonseVersicherungswirtschaft

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Zunächst sah es nur wie eine kleine Wachstums-Delle aus. Doch seit bekannt wurde, dass Deutschland Ende 2018 nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt ist, wächst die Sorge vor einer neuen Krise. Sogar die erfolgsverwöhnte deutsche Industrie schlägt Alarm. Das Risiko einer weltweiten Rezession sei deutlich angestiegen, warnt der BDI. Europa habe den konjunkturellen Höhepunkt überschritten und dürfte dieses Jahr nur mit 1,5 Prozent zulegen, der Euroraum sogar nur mit 1,25 Prozent, heißt es im BDI-Wachstumsausblick. Für Verunsicherung sorgt - neben dem Brexit - vor allem der Handelskrieg, den US-Präsident Donald Trump angezettelt hat. Nach China könnte sich der Streit bald schon auf Europa ausweiten: Trumps Drohung, Strafzölle auf europäische Autoexporte zu verhängen, ist noch nicht vom Tisch. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte bei einem Besuch in Washington im Juli 2018 zwar einen Waffenstillstand ausgehandelt. Doch wie lange er noch halten wird, weiß niemand, nicht einmal in Brüssel. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström traut dem Frieden nicht. Sie hat massive Vergeltung für den Fall angedroht, dass Trump doch noch Autozölle verhängen sollte. Dass sie es ernst meint, hat ihre entschiedene Reaktion auf die 2018 verhängten US-Zölle auf Stahl und Aluminium gezeigt. Die EU belegte Jeans, Motorräder und Whiskey aus den USA mit Gegenzöllen und reichte Klage bei der Welthandelsorganisation WTO ein. Allerdings ließ sich Trump dadurch nicht von seinem protektionistischen Kurs abbringen. Die EU will sich deshalb nicht allein auf ihre Abwehr verlassen. Sie ist in die Offensive gegangen - mit neuen Handelsabkommen mit Kanada, Japan und zuletzt auch Singapur. Der Ende Januar in Kraft getretene Deal mit Japan soll die größte Freihandelszone der Welt schaffen. Und die geplante neue Vereinbarung mit Singapur soll den viel versprechenden südostasiatischen Markt erschließen. Mit beiden Abkommen wendet sich die EU gegen Protektionismus. „Dies ist ein weiteres Signal für einen offenen, fairen und regelbasierten Freihandel“, betonte Malmström im Europaparlament. Und es soll nicht das letzte Signal sein. Die EU will ihre Freihandels-Offensive fortsetzen und versuchen, die weltweite Führungsrolle zu übernehmen, die Trump mit seinem engstirnigen Kurs abgegeben hat. Zugleich bemühen sich die Europäer, die Welthandelsorganisation WTO zu reformieren, um sie vor Trumps Attacken zu retten.

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