Quelle: td
Erschienen in Ausgabe 3-2019Unternehmen & Management

Paris schwarzweiß

Beobachtungen von der Coface Risk Conference und einer Weltmetropole im Wandel

Von Tobias DanielVersicherungswirtschaft

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Paris im Jahr 2019: Unbeugsame „Gallier“ gekleidet in gelben und roten Westen ziehen demonstrierend über die Prachtstraße der französischen Hauptstadt, um gegen die vermeintlich „soziale Not“ im Land zu demonstrieren. Ursprünglich als Protestbewegung gegen Steuererhöhungen und aus Angst vor sozialem Abstieg gegründet, bringen die „Gilets jaunes“ mittlerweile auch das politische Establishment der „Grande Nation“ zunehmend in Bedrängnis. Wenig verwunderlich, dass die teils gewaltsamen Proteste in Paris auch ihre Spuren bei der versammelten Wirtschaftselite bei der Coface Risk Conference im altehrwürdigen Palais des Louvre eine gewisse Rolle spielten. So stieg der soziale Risiko-Indikator des Kreditversicherers auf einen neuen Höchststand seit 2010. Der wachsende Populismus zählt für Coface-Chef Xavier Durand neben dem Dauerbrenner Brexit zu den aktuell größten politischen Risiken. Während also gut beschützt im „Carrousel du Louvre“ Wirtschafts- und Finanzgrößen wie Jean-Dominique Senard, Chairman des französischen Reifenherstellers Michelin, Sylvie Goulard, ehemalige französische Verteidigungsministerin und heutige Vizepräsidentin der Banque de France, oder Patrick Pouyanné, CEO des französischen Mineralölunternehmens Total, über die Zukunft der weltweiten Energiewirtschaft oder des europäischen Kontinents diskutierten, demonstrierten zeitgleich auf dem Champs Elysée Tausende Gelbwesten und Mitglieder der wichtigsten französischen Gewerkschaft, der CGT, gegen die soziale Not in Frankreich.
Die Folge: der öffentliche Verkehr kam national wie regional teilweise zum Erliegen, zahlreiche U-Bahn-Stationen entlang des Pariser Prachtboulevards wurden auf Anweisung der Polizeibehörden geschlossen. Wichtiger als die wirtschaftlichen Folgen war indes die politische Signalwirkung des sogenannten „Generalstreiks“: Denn erstmals seit Beginn der Proteste kam es im November 2018 zu einem Schulterschluss zwischen den „Gelbwesten“ und linken Gruppierungen. Auch wenn die Gelbwesten bei den versammelten Rednern und Diskutanten auf der Coface-Konferenz merklich kaum nennenswerte Rolle spielen, scheint die Sorge um den wachsenden Populismus in Europa durchaus gravierend zu sein: „Oú va Euope?“ – Wohin geht es also mit Europa lautete daher eine zentrale Frage der hochkarätig besetzten politischen Diskussionsrunde. Immerhin: 42 Prozent der Franzosen glauben, dass ihr Land eine Stimme in Europa hat – zum Vergleich: In Deutschland vertreten immerhin 70 Prozent diese Meinung…