Quelle: mv
Erschienen in Ausgabe 3-2019Unternehmen & Management

„Kunden möchten nicht überwacht werden"

Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender DKV, über harten Wettbewerb und kluge Deckungskonzepte in der Krankenversicherung

Von Martin WinkelVersicherungswirtschaft

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Herr Muth, ist Gesundheit eine Ware?

Nein, eine gute Gesundheit ist der Wunsch aller Menschen. Manche Krankheiten sind schicksalhaft, manche verhaltensinduziert. Menschen können dennoch einiges tun, um gesund zu bleiben.

Sitzen Sie bequem? Ich frage, weil Sitzen das neue Rauchen sein soll. Und gerade Ihre Zielkunden, Akademiker und Beamte, leiden häufig unter Bewegungsmangel, deren Folgen sie später teuer bezahlen müssen. Beunruhigt Sie das?

Ich sitze gerade ordentlich, aber wir können auch stehen. Sie spielen auf den DKV-Report an. Das Thema „mehr Bewegung“ ist mir persönlich sehr wichtig. Dies betrifft jeden. Wir müssen bereits unsere Kinder besser zur Bewegung motivieren. Viele sind in ihrer Freizeit völlig inaktiv und bewegen sich bestenfalls noch im Schulsport. Wir beobachten, Fettleibigkeit nimmt gerade auch in jungen Jahren immer mehr zu. Bewegung und bewusste Ernährung sollten daher Teil der schulischen Erziehung werden. Als privater Krankenversicherer haben wir die Kostenbelastung durch Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit und zu wenig Bewegung in unseren Beiträgen einkalkuliert. 

Sie sind „Vollsortimenter“ in der Krankenversicherung. Auf welche Produktinnovationen der DKV können sich Vermittler und Versicherte 2019 freuen?

Wir werden 2019 neue Tarife im Zahn- und Pflegebereich einführen. Unser neuer Zahntarif wird etwa mehr kieferorthopädische Leistungen bieten. In der Beihilfeversicherung haben wir gerade eine neue Produktlinie für junge Beamtinnen und Beamte auf den Markt gebracht. Diese ist passgenau und preisgünstig. Bei steigendem Bedarf besteht die Möglichkeit in einen höherwertigen Tarif zu wechseln.

Ist das eine Folge des Hamburger Modells?

Nein. Nach meinem Rollenverständnis der gesetzlichen und privaten Systeme gehören Beamte in die private Krankenversicherung. Jenen Beamten in Hamburg, die sich nun aber dennoch für die GKV entscheiden, steht natürlich unser Produktportfolio des Marktführers offen.

Im Dezember entschied der BGH zugunsten der privaten Krankenversicherer im Treuhänder-Streit, nachdem untergeordnete Gerichte PKV-Anbieter erst zu Rückerstattungen verdonnert hatte. Verstehen Sie den Ärger der Kunden über Beitragserhöhungen?

Zunächst gilt: In der PKV sind die Prämien pro Kopf auf lange Sicht weniger stark gestiegen als in der GKV. Ich verstehe aber, wenn bei Versicherten der Eindruck plötzlicher, heftiger Preissprünge entsteht. Die gesetzlichen Regelungen und hier die auslösenden Faktoren, die erst zur Überprüfung der Beiträge führen…