Quelle: Etraveler/Fotolia
Erschienen in Ausgabe 3-2019Schlaglicht

Kauflüste und Lustkäufe

Fusionen und Übernahmen gehören zu jener Art von Geschäft, über das nicht allzu gerne geredet wird. Der Schwierigkeitsgrad, unterschiedliche Unternehmenswelten miteinander zu verschmelzen, ist hoch - das Risiko zu scheitern, groß. Trotzdem schnappen gerade die Versicherer immer wieder zu, wenn sich passende Chancen eröffnen. Zu lukrativ scheint die schnelle Wachstumsperspektive.

Von Marc R. SommerVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Musste die Einbindung des Tech-Giganten Softbank in die Swiss Re scheitern? An eine branchenübergreifende Freundschaft „with Benefits“ dachten die Schweizer, die Japaner wollten sich mindestens verloben. Doch ein Vollzug hätte unterschätzte Eigenständigkeiten gefährdet. „Es gab kein bitteres Ende der Gespräche“, vermeldete Swiss-Re-Sprecher Willy-Andreas Heckmann im Mai 2018. Immerhin konnten beide Seiten erwünschte Botschaften in den Medien platzieren.

Die Gegenstände des M&A-Geschäfts und der Assekuranz sind von ihrem Abstraktionsgrad her vergleichbar, ringen mit ähnlichen Ökonometrien um das Verstehen von Langfristrisiken, sind gleichermaßen von einer zunehmenden Regulierungstiefe betroffen. Analogien lassen sich auch in den Versuchen erkennen, öffentlich schwierig zu kommunizierende Zielsetzungen mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz aufzuladen. Erstaunlicherweise sorgen unterschiedliche Kulturen für Abstand zwischen beiden Sphären. Spannend, wenn die divergierenden Denk- und Herangehensweisen dennoch aufeinandertreffen, Übernahmen und Fusionen zur Zukunftsfähigkeit von Versicherern und Rückversicherern beitragen. Von einem vertikalen Merger, also zwischen in der Wertschöpfungskette aufeinanderfolgenden Unternehmen, ist beim Deal von US-Krankenversicherer Cigna und Gesundheitsdienstleister Express Scripts zu sprechen. Mit einem Volumen von 67 Mrd. US-Dollar eines der größten M&A-Arrangements 2018. Star-Investor Carl Icahn war anfangs nicht begeistert: „Cigna is dramatically overpaying for a highly challenged Express Script that is facing existential risks on several fronts.“ Ähnlich unorthodox die unter Auflagen vom US-Justizministerium genehmigte 77-Milliarden-Übernahme des Krankenversicherers Aetna durch den Pharmazie-Händler CVS Health. Bundesrichter Richard Leon verweist allerdings auf „Antitrust“-Argumentationen der US-Rechtsgeschichte, verlangt Zugeständnisse.

Begehrte und Begehrende

„Es ist gut für die Allianz, dass sie diese große Bank nicht mehr hat“. Sie wissen bei diesem Statement sicher schon, worum es geht. Der damalige Allianz-Chef Michael Diekmann meinte 2009 die Dresdner Bank, welche zuvor als perfekte Ergänzung galt. Letztendlich war der Bund nicht über betriebswirtschaftliche Arithmetik, habituelle Unwuchten und das schlechte Timing im Finanzkrisen-Kontext 2008 erhaben. Dem Publikum brannte sich das Debakel als phänotypische M&A-Hybris ein. Nach der Finanzkrise konnte das in US-Dollar bezifferte, weltweite…