Michael Klüttgens, Willis Towers Watson: 
Michael Klüttgens, Willis Towers Watson: Quelle: Willis Towers Watson
Erschienen in Ausgabe 3-2019Schlaglicht

„Es passiert immer wieder, dass Käufer rückblickend de facto zu viel für eine Übernahme auf den Tisch gelegt haben"

Michael Klüttgens, Leiter Versicherungsberatung Willis Towers Watson, über gefährliches Streben nach Marktmacht

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Player wie Axa, AIG oder Provinzial haben es zuletzt getan, Allianz wollte es immer wieder tun. Wieso greifen führende Player verstärkt zum Wachstumshebel M&A?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Skaleneffekte zum Beispiel spielen auch für die ganz großen Player eine Rolle. Der Wettbewerb – gerade vor dem Hintergrund sehr niedriger Zinsen – wird zunehmen über die Kostenquoten und Effizienzgewinne geführt und da gibt es noch Luft nach oben.

 

Zusätzlich erkennen wir ein Streben nach Spezialisierung. Denn nur die allerwenigsten Häuser schaffen es, in allen Regionen, Sparten, Kundensegmenten oder Vertriebskanälen erfolgreich zu agieren. So sehen wir, dass viele Firmen versuchen, sich auf ihr Kerngeschäft zu fokussieren, beziehungsweise dort zuzukaufen und sich von Randbereichen zu trennen.

 

Bei der Digitalisierung oder speziell auch der Automatisierung von Prozessen hinken die Versicherungen im Vergleich zu anderen Branchen noch hinterher. Der Zukauf von technischem Know-how ist in vielen Fällen dann die einzige Möglichkeit, neueste Technologien im eigenen Unternehmen zu integrieren.

 

Man sollte außerdem das Streben nach Marktmacht, welches sich unter anderem auch in den gerade genannten Punkten widerspiegelt, nicht unterschätzen. Eine Konsolidierung im Markt hilft nicht selten, eine Erhöhung der Margen für die Player herbeizuführen.

Welche größten Gefahren, welche unternehmerischen Chancen gehen damit einher?

Die unternehmerischen Chancen und Motive habe ich vorhin erläutert. Die Gefahren liegen auf der Hand. Nicht mit jeder Übernahme wird der gewünschte Effekt erzielt und es passiert immer wieder, dass Käufer rückblickend de facto zu viel für eine Übernahme auf den Tisch gelegt haben.

Die Versicherungsstrukturen müssten doch eigentlich einfacher werden. Passiert mit M&A´s nicht genau das Gegenteil?

Ja, da haben Sie eigentlich recht. Jedoch bezieht sich dieser Sachverhalt auf die Versicherungslösungen für die Kunden, und nicht notwendigerweise auf die Unternehmensstrukturen an sich.

„Wer nicht wächst, stirbt.“ Wissen Sie, von wem dieses beinahe legendäre Zitat stammt?

Das ist ein sehr beliebtes Zitat, dessen Herkunft ich leider nicht kenne. Aber es steckt viel Wahrheit dahinter.

…Ist denn organisches Wachstum in der Versicherungswirtschaft heute nicht mehr möglich?

Doch, organisches Wachstum ist möglich und wird vielfach auch erreicht – nur nicht in allen Märkten und Segmenten. Wachstum durch Zukäufe wird selten als alleinstehendes Ziel verfolgt, sondern…