Quelle: Audi
Erschienen in Ausgabe 3-2019Unternehmen & Management

Annäherung im digitalen Testfeld

Welche Wettbewerbsvorteile vernetzte Dienstleistungen für Kfz-Versicherer bringen

Von Stefan GrossVersicherungswirtschaft

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Die Digitalisierung revolutioniert alle Branchen, auch die Automobil- und Verkehrsbranche. Automobilhersteller setzen immer mehr vernetzte Anwendungen ein. Für Versicherer ist der Kfz-Bereich eine wichtige Sparte – die größte bei den Schadenversicherungen und Türöffner für den Vertrieb weiterer Produkte. Die Versicherten sind heute wechselfreudig und der Wettbewerb stark. Wer Kunden langfristig binden will, muss neue digitale Trends aufgreifen und dabei mit Qualität punkten, das heißt: mit Sicherheit und Komfort. Digitale Mehrwertdienste für Mobilität, also eine Telekommunikationsleistung, die über die reine Telefonverbindung hinausgeht, spielen eine stetig wachsende Rolle in der Kundenbeziehung. Neben dem vordergründigen Anwendungsnutzen wie etwa Unfallerkennung, Fahrstilanalyse oder Navigation können digitale Services Versicherern den Zugang zum Kunden erleichtern. Für Anbieter gilt es, ihre Kfz-Versicherungen dementsprechend als integralen Bestandteil der privaten Mobilität zu gestalten. Sie sollten den hohen Zugriff auf bestehende Versicherungskunden nutzen, um eigene Mobilitätsservices zu etablieren und so das Kernprodukt Versicherung zukunftsfähig aufzustellen. Andernfalls können sich andere Marktteilnehmer im Bereich Mobilität zukünftig stärker in der Kernkompetenz von Versicherern positionieren als die Versicherer selbst.

Fünf Fehlannahmen zum E-Call

Das automatische Notrufsystem E-Call ist gemäß EU-Verordnung seit dem 31. März 2018 in neu zugelassenen Fahrzeugmodellen Pflicht. Längst nicht alle Kfz-Versicherer haben bislang geprüft, inwieweit das Thema Notrufservice für das eigene Produktportfolio in Frage kommt.

 

Erste Fehlannahme: Den E-Call-Notruf gibt es nur für neue Fahrzeugmodelle

Diese Aussage stimmt nur zum Teil. Die EU-Verordnung bezieht sich richtigerweise nur auf Systeme, die in neuen Fahrzeugmodellen direkt ab Werk als Komponente fest verbaut werden. Hier sind zwei Systeme zu unterscheiden: Zum einen der unter Anleitung der EU entwickelte 112 E-Call. Zum anderen die sogenannten Third Party Service Provider (TPSP) eCalls von privaten Anbietern, die ebenfalls der EU-Norm zum eCall entsprechen. Diese erfassen in der Regel mehr unfallrelevante Informationen als vom Gesetzgeber vorgegeben. Bosch hat inzwischen auch nachrüstbare Systeme auf den Markt gebracht, wie etwa einen Unfallmeldestecker für die 12-Volt-(Zigarettenanzünder)-Buchse mit dazugehöriger…