Erschienen in Ausgabe 2-2019Trends & Innovationen

„Das Selbstverständnis der privaten Krankenversicherer verändert sich“

Kommentar von Dr. Ralf Kantak, Vorstandsvorsitzender SDK

Von Dr. Ralf KantakVersicherungswirtschaft

Allein Kostenerstatter zu sein, reicht nicht mehr aus. Gesundheit ist ein Megatrend, sie gewinnt im Selbstverständnis der Menschen und in ihrem Lifestyle immer größere Bedeutung. Vor diesem Hintergrund hat es sich auch die SDK zum strategischen Ziel gesetzt, nicht mehr „nur“ Versicherer zu sein, sondern Gesundheitsspezialist zu werden. Wir ergänzen unser Versicherungsangebot um Gesundheitsberatung, unterstützen im Krankheitsfall und helfen damit, gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden.

Neue Wege gehen wir auch bei der betrieblichen Krankenversicherung (bKV). Dieses noch relativ junge Produkt erlebt in der gesamten Branche zurzeit ein enorm starkes Wachstum. Immer mehr Firmenkunden erkennen, zumal in Zeiten des Fachkräftemangels, dass dieses Angebot ein sehr guter Anreiz ist, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und Fachkräfte langfristig an das Unternehmen zu binden. Und die Arbeitnehmer profitieren von einem Zusatzschutz, der ihr Versorgungsniveau in der Gesetzlichen Krankenversicherung gezielt ergänzt und verbessert. 

Wettlauf um kundenfreundlichste Lösungen

Auch beim Thema Digitalisierung ist der Wettlauf um die besten und kundenfreundlichsten Lösungen längst in vollem Gange. Hier setzen wir ebenfalls auf die Kraft des Wettbewerbs – sowohl zwischen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Privaten Krankenversicherung (PKV) als auch innerhalb der beiden Systeme. Dieser Wettbewerb um die besten Ideen wird schon bald dazu führen, dass allen Versicherten in Deutschland die Vorteile von E-Health zugutekommen. Es gibt also in der Krankenversicherung mehr als genug Themen mit „Zukunftsmusik“. Eine der größten Herausforderungen für Deutschland ist und bleibt der demografische Wandel. Hier bietet die PKV ein Zukunftsmodell. Denn nur die PKV trifft systematisch Vorsorge dafür, dass die Gesellschaft immer älter wird und im Alter mehr Gesundheitsleistungen benötigt. Anders als die GKV finanzieren die Privatversicherten mit ihren Beiträgen nicht nur ihre laufenden Behandlungskosten, sondern sorgen auch für ihren höheren medizinischen Bedarf im Alter vor. Mehr als 250 Mrd. Euro haben sie dafür schon zurückgelegt. Dieses Vorsorgekapital hat sich in den vergangenen 10 Jahren mehr als verdoppelt. Und trotz des Niedrigzinsumfelds hat die Branche im vergangenen Jahr im Schnitt eine Nettoverzinsung von fast 3,5 Prozent erwirtschaftet. Das soll der PKV erst einmal jemand nachmachen. Dieser Kapitalstock ist gelebte Generationengerechtigkeit – die Kinder werden sehr dankbar sein, dass ihre Eltern für die eigenen Kosten im Alter vorgesorgt haben.

Vollkasko-Pflegeversicherung mit drastisch größeren Belastungen verbunden

In den kommenden Jahrzehnten wird die umlagefinanzierte GKV an ihre Grenzen geraten: Immer mehr Ältere werden immer mehr Gesundheitskosten verursachen – doch zugleich sinkt die Zahl der erwerbsfähigen Beitragszahler um fast ein Drittel. Die PKV kann und will hier ein Teil der Lösung sein: Wir bieten an, mehr Menschen und mehr medizinische Leistungen kapitalgedeckt abzusichern, um auf diese Weise die zukünftigen Steuer- und Beitragszahler zu entlasten. Die Überlegenheit des PKV-Modells mit Alterungsrückstellungen zeigt sich sehr eindrucksvoll in der Pflegeversicherung. Seit ihrer Einführung 1995 haben die Rückstellungen mit Zins und Zinseszins dazu geführt, dass die Beiträge in der privaten Pflegepflichtversicherung weniger stark steigen mussten. Und seit 2012 sind sie im Schnitt sogar niedriger als in der sozialen Pflegepflichtversicherung – bei identischen Leistungen und trotz der zusätzlich aufgebauten Alterungsrückstellungen. Das gilt übrigens auch nach den jüngsten Beitragserhöhungen 2019, mit denen die zusätzlichen Leistungen durch die jüngsten Pflegereformen finanziert werden. Aktuell sind in der sozialpolitischen Debatte Rufe nach einer Vollkasko-Pflegeversicherung zu hören. Sie wäre aber mit drastisch größeren Belastungen für die jüngeren Generationen und für den Wirtschaftsstandort Deutschland verbunden. So eine teure Lösung ist aber auch gar nicht nötig. Denn jeder Einzelne kann mit einer privaten Pflegezusatzversicherung mit sehr überschaubaren Beiträgen schon jetzt eine Vorsorge für 100 Prozent der Kosten im Pflegefall aufbauen. Da wäre es ein erstrebenswertes Ziel, möglichst jeden Berufsanfänger für diese preiswerte zusätzliche Vorsorge zu gewinnen. Der staatliche Zuschuss zur geförderten privaten Zusatzversicherung ist da ein guter, erster Schritt. Aber hier könnte eine vorausschauende Politik durchaus noch mehr tun.