Evan Greenberg (l.) im Fusionsrausch: Für 28 Mrd. US-Dollar hat die schweizerisch-amerikanische Ace im Jahr 2015 den Traditionsversicherer Chubb samt dessen Namen übernommen. 
Evan Greenberg (l.) im Fusionsrausch: Für 28 Mrd. US-Dollar hat die schweizerisch-amerikanische Ace im Jahr 2015 den Traditionsversicherer Chubb samt dessen Namen übernommen. Quelle: NYSE
Erschienen in Ausgabe 2-2019Köpfe & Positionen

"Wir sind nicht AIG, keine Imitation oder Rekreation davon. Wir sind ein Original"

Im Profil: Evan Greenberg, CEO Chubb

Von Alexander KasparVersicherungswirtschaft

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Einen Klang wie Donnerhall löst der Name Greenberg in der angelsächsischen Versicherungswirtschaft im Allgemeinen und in der US-amerikanischen im Besonderen bis heute aus. Dieser Ruf löst nicht nur positive Konnotationen aus. Das hat mit den Vorgängen um die Beinahepleite der damals von Maurice Raymond Greenberg, geführten American International Group (AIG) zu tun. „Hank“, wie ihn Freunde und Bekannte nennen, ist der Vater von Evan G. Greenberg, der heute Chairman und Chief Executive Officer der Chubb Limited und Chubb Group ist. Das ist insofern von Belang als die von Hank Greenberg als Lebenswerk aufgebaute AIG vor fast genau zehn Jahren, am 16. September 2008, nach heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten vom amerikanischen Steuerzahler mit insgesamt 182 Mrd. US-Dollar gerettet werden musste. Dafür trat der Versicherungsriese sagenhafte 79,9 Prozent der Anteile an den Staat ab. Auslöser war auch hier die Insolvenz der Investmentbank Lehmann Brothers. AIG hatte sich mit dem ungedeckten Verkauf der mittlerweile berühmt-berüchtigten sogenannter Credit Default Swaps (CDS), also Kreditausfallversicherungen, an Finanzinstitute verkalkuliert. Die damals als eines der größten Versicherungsunternehmen weltweit geltende AIG hatte CDS-Policen im Wert von 440 Mrd. US Dollar in den Büchern ohne selbst auch welche gekauft zu haben. Die Situation war lebensbedrohlich nicht nur für AIG, sondern auch für die eigentlich abzusichernden Finanzinstitute, es drohte eine Kettenreaktion mit unkalkulierbaren Auswirkungen auf die weltweite Finanzwirtschaft. Durch dieses Manöver verlor der Versicherer vorübergehend seine Unabhängigkeit, sein Triple-A-Rating und nicht zuletzt das in ihn gesetzte Vertrauen. Zudem mussten die Kredite zurückgezahlt werden und lukrative Geschäftsteile, die Maurice Greenberg in langen Jahren aufgebaut hatte, verkauft werden. Heute hat sich die AIG von dieser Krise fast gänzlich erholt und auch für den Steuerzahler ging das Geschäft gut aus: Der Kredit wurde zurückgezahlt, zuzüglich einem Gewinn von 23 Milliarden US Dollar durch Zinsen und Aktienverkäufe. Das ist die harte Schule, durch die Evan G. Greenberg gegangen ist, und zwar als Sohn eines ehrgeizigen Übervaters in dessen eigenen Unternehmen als Angestellter und Untergebener und das für ein geschlagenes Vierteljahrhundert. Dabei hat Evan Greenberg das Managementhandwerk von der Pike auf gelernt, hat gelernt sich seinem Vater unterzuordnen und hat zum Schluß auch noch gelernt wie schnell…