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Erschienen in Ausgabe 2-2019Schlaglicht

Rush Hour

Die enormen Fortschritte der chinesischen Versicherer haben die Versicherer Japans aufgeweckt. Sie möchten ihren Rückstand in der Digitalisierung wettmachen und beginnen ihre traditionellen Prozesse zu hinterfragen. Vor ihnen liegt noch ein weiter Weg. Der Markt steht an der Schwelle großer struktureller Veränderungen.

Von Michał Trochimczuk und Grzegorz ObszańskiVersicherungswirtschaft

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In den 1960er und 1970er Jahren gehörte Japan zu den großen Wachstumsmärkten unter den Versicherungsplätzen dieser Welt. Die Funktion der Wachstumslokomotive haben später Südkorea und China übernommen. Noch zu Beginn der 2000er Jahre als Entwicklungsland eingestuft, hatte China bereits im Jahr 2016 Japan als zweitgrößten Versicherungsmarkt der Welt überholt. Die Wirtschaftsforscher des Sigma Instituts der Swiss Re gehen davon aus, dass die Wachstumsgeschichte Chinas mindestens ein oder zwei Jahrzehnte andauern wird. Einer der Erfolgsfaktoren der chinesischen Versicherer ist der konsequente Einsatz neuester Technologie. Hier haben die Versicherer Japans noch enormen Nachholbedarf. Ihre IT-Infrastruktur ist geprägt von veralteten Großrechner-Systemen. Dort, wo sie Standardsysteme einsetzen, sind sie viel zu stark individualisiert und konfiguriert. Als Folge dieser veralteten IT-Strukturen fällt es den Versicherern Japans schwer, innovativ zu sein und neue Wege im Vertrieb und in der Verwaltung zu beschreiten.

Rückfall in die Stagnation

Nach dem verheerenden Tohoku-Erdbeben am 11. März 2011 hatten Japans Versicherer starke Jahre hinter sich mit Wachstumsraten von 3,4 bis 5,4 Prozent jährlich. Von 2007 bis 2010 hatte der Markt noch einen Abschwung mit Prämienrückgängen durchstanden. Seit 2017 sind die Versicherer mit einer erneuten schwachen Marktphase konfrontiert. Unfall-Statistiken in Japan zeigen, dass sowohl die Frequenz von Kfz-Schäden zurückgeht als auch deren Schwere. In der Folge haben die Versicherer Japans bereits im Jahr 2017 die Prämien in der Kfz-Versicherung um sechs bis sieben Prozent gesenkt. Im Jahr 2018 gab es einen erneuten Prämiennachlass, der nach Schätzungen der Swiss Re zwischen zwei und drei Prozent betrug. Das Geschäft mit Autoversicherungen hat in Japan eine überragende Bedeutung. Die Zahl der gemeldeten Autos beläuft sich in Japan mit seinen 127 Millionen Einwohnern auf knapp 61 Millionen. Damit ist die Fahrzeugdichte ähnlich hoch wie in Deutschland. In Deutschland kommen auf knapp 83 Millionen Einwohner 46,5 Millionen Autos. Zählt man Busse, Lastwagen und Spezialfahrzeuge hinzu, kommt Japan insgesamt auf 77,4 Millionen Fahrzeuge. Nach einer Stagnationsphase von 2005 bis 2011 steigt die Zahl der Fahrzeuge in den letzten sechs Jahren wieder an. Doch das Wachstum auf dem Fahrzeugmarkt schwächt sich ab und damit schwindet die Grundlage des Prämienwachstums. War die Wirtschaft Japans im Jahr 2017 noch vergleichsweise stark um 1,7 Prozent…