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Erschienen in Ausgabe 2-2019Märkte & Vertrieb

Neuanfang mit Altlasten

Deutsche Lebensversicherer sind auch 2019 im Krisenmodus. Vor allem die Optimierung des defizitären Altgeschäfts, die Suche nach Wachstumsfeldern und die digitale Transformation setzen die Branche extrem unter Druck. Es gibt jedoch Auswege.

Von Michael KlüttgensVersicherungswirtschaft

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Mehr denn je suchen Versicherer heute Wege, mit denen sie ihre Kostenbasis senken können. Der Bestand in der Lebensversicherung wird nach wie vor von traditionellem Geschäft mit hohen, langjährigen Garantien dominiert. Die damit verbundene Kapitalbindung, die hohen Kosten für die Bestandsverwaltung und die häufig mangels Wachstums immer kleiner werdenden Portfolios sind die Treiber für das Schließen des Neugeschäfts – den Run-Off. Dieser ist umstritten, aber dennoch ziehen immer mehr deutsche Lebensversicherer die Abwicklung von Beständen, in denen kein Neugeschäft mehr geschrieben wird, in Betracht. Eine Vielzahl von Lebensversicherungsbeständen ist bereits heute für das Neugeschäft geschlossen. So bieten zahlreiche Gesellschaften das klassische Geschäft mit Lebensversicherungen gar nicht mehr an, sondern haben Produkte mit kapitalschonenderen und renditestärkeren Garantiekonzepten im Programm. Der Bestand mit klassischem Geschäft dagegen läuft aus.
Der vollständige Run-Off ist weitreichender. Eine rechtliche Einheit des Versicherers wird dabei kein Neugeschäft mehr schreiben. Dieses Vorgehen kann verschiedene Konsequenzen haben: Gehört das Versicherungsunternehmen zu einer Gruppe, wird das Neugeschäft lediglich in einer anderen Gesellschaft gezeichnet. Der Vertrieb stellt sich um, behält aber eine vergleichbare Produktpalette. Mit der Entscheidung einer ganzen Gruppe, kein Lebensversicherungsgeschäft mehr zu schreiben, sind die Konsequenzen im Vertrieb gravierender, denn ein alternatives Angebot zum eingestellten Produkt bleibt aus.
Beim externen Run-Off wird der Bestand an einen Abwickler ausgelagert. Die Abwicklungsspezialisten argumentieren, dass sie mittels modernerer IT und einer professionelleren Kapitalanlage deutlich effizienter arbeiten. Die Folge sind vor allem höhere Überschüsse, an denen auch die Versicherungsnehmer signifikant partizipieren. Sie behalten einerseits die Sicherheit ihrer Garantien, andererseits die zusätzliche Chance auf höhere Überschüsse. In einer weiteren Variante bleibt das Geschäft dem Recht nach in den Büchern des Versicherers, wird aber wirtschaftlich gesehen, durch die Auslagerung des Betriebs und Transfers fast aller Risiken, übertragen. Ein Versicherer übernimmt für andere Versicherer die Vertragsverwaltung. Diese wird ergänzt um eine Rückversicherungslösung, die einen Transfer aller Risiken inklusive der Kapitalmarktrisiken abdeckt. Somit bleibt die Vereinbarung zwischen Versicherungsunternehmer und seinem…