Erschienen in Ausgabe 2-2019Trends & Innovationen

„Mit Geld spielt man nicht“

Kommentar von Redakteur Michael Stanczyk

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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Erinnern Sie sich noch an dieses berühmte Fernsehzitat? Ich löse auf – es kommt vom Schauspieler Mario Adorf, oder besser gesagt, es wurde von ihm inszeniert und im Rahmen einer großen Werbekampagne der Aachener Münchener vor einigen Jahren platziert. An Aktualität hat der Slogan kaum eingebüßt. Im Gegenteil. Die Goldsteak-Affäre um Bayern-München-Kultkicker Franck Ribéry Anfang des Jahres etwa hat die Debatte um den richtigen, im Mainstream also den eher bescheidenen Umgang mit Geld, quasi neu belebt. Als Konterpart dazu steht der Freiheitsbegriff und dass man seinen monetären Besitz doch so einsetzen kann, wie man es persönlich unter Einhaltung des Erlaubten für sinnvoll erachtet. Gerade in unserem Nachbarland Frankreich, wo aktuell eine heiße Sozialdebatte herrscht, brachte Ribéry seine Landsleute mit seiner Aktion auf die Palme – von der noch heftigeren Folgediskussion um seinen von Vulgarität gespickten Tweet gegen sogenannte „Hater“ und „Neider“ mal ganz abgesehen. Fußballprofis leben in einem Mikrokosmos, klar. Ihr Leben findet in einer abgeschotteten Spezialgesellschaft statt. Wohl kaum würde sich der Durchschnittsbürger ein Steak, obszön umhüllt mit mehreren Karat Blattgold und einem kolportierten Wert von 1200 Euro während eines Stop-Overs in Doha zu Gemüte führen.

Angst, Misstrauen, Risikoaversion

Tatsächlich mag Ribéry essen, was er möchte. Darum geht es auch nicht. Gefährlich wird es, wenn Reichtum oder Luxus, finanziert vom Durchschnittsbürger, zur Schau gestellt werden und entsprechende Taten den Anschein erwecken, dass mit besagtem Geld gespielt wird. Bei den meisten Menschen löst so etwas Befremden aus, wie übrigens bei Twitter deutlich zum Ausdruck kam. Die Deutschen selbst sind in Sachen Geld ängstlich, misstrauisch, risikoavers. Zu diesem Ergebnis kamen die Meinungsforscher von Yougov vor rund zwei Jahren. Alles, was spekulativ ist, gilt hierzulande demnach als suspekt. Die Mehrheit der Bevölkerung legt ihr Geld – wenn überhaupt – auf dem Sparbuch an. Und das, obwohl die wenigsten glauben, dass sich das noch lohnt. Dieses Problem löst keine nationalen Streitdebatten aus, sondern läuft bestenfalls neben anderen Themen mit. Wenn es im richtigen Umgang mit Geld also bloß darum geht, es zu konservieren bzw. zu multiplizieren, dürfte auch die deutsche Bevölkerung ein aus heutiger Sicht durchaus gefährliches Spiel betreiben. Gleichwohl gehen die Meinungen über die richtige Geldanlage auseinander, der Finanzmarkt ist hochkomplex. Auch…