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Erschienen in Ausgabe 2-2019Unternehmen & Management

Ikarus, bleib auf dem Boden

Der deutsche Insurtech-Markt boomt nach wie vor. Doch nur wenige Firmen des ersten Start-up-Höhenflugs haben überlebt - geschweige denn die Versicherungsbranche disruptiert. Welche Geschäftsmodelle sind tatsächlich nachhaltig? Zeit, Bilanz zu ziehen.

Von Martin ThalerVersicherungswirtschaft

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Es sind nicht die leisen Worte, für die deutsche Insurtech-Unternehmen bekannt sind: „Wir sind gestartet, um Europas größte digitale Versicherung zu werden“, lässt der Berliner Digitalversicherer Coya vollmundig verkünden. Auch andere Unternehmen der Branche verkünden hochgesteckte Ziele. Man wolle das „Amazon der Versicherungsbranche“ werden, gibt der sich noch in den Startlöchern befindende Versicherer „flypper“ die Marschrichtung vor, der Online-Krankenversicherer Ottonova lässt sich als „Gamechanger“ feiern. Doch sind diese ambitionierten Zielvorgaben für bare Münze zu nehmen? Klappern gehört schließlich zum Handwerk. Und im Wettstreit um Kunden und Investoren kann ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit sicher nicht schaden. Denn der deutsche Insurtech-Markt ist in den vergangenen Jahren merklich gewachsen: Laut der „Insurtech Datenbank“ des Beratungsunternehmens Capgemini Invent waren im November 2018 insgesamt 112 Insurtech-Unternehmen verschiedener Ausprägung in Deutschland aktiv. Die Tatsache, dass 70 Prozent hiervon in den vergangenen vier Jahren gegründet wurden, unterstreicht die Dynamik des deutschen Marktes.
Investoren scheinen dabei zunehmend vom Erfolg der „jungen Wilden“ überzeugt zu sein. So sammelten deutsche Insurtech-Unternehmen im Jahr 2017 laut der „InsurTech-Funding-Studie“ von Finanzchef24 insgesamt 74 Millionen Dollar ein. Diese Zahl dürfte 2018 übertroffen worden sein. So gab es allein schon für den Online-Versicherungsmakler Clark 29 Millionen Dollar, Coya erhielt von Investoren knapp 30 Millionen Dollar. Wefox, zu dem auch der Online-Versicherer One gehört, will derweil gar 250 Millionen Dollar einsammeln, wodurch die Berliner zum ersten deutschen „Unicorn“-Insurtech avancieren könnten. Die höheren Investitionssummen hängen auch mit einem Wandel bei den Gründungen zusammen. Hier hat Christian Richter, Versicherungsexperte beim Beratungsunternehmen Accenture, insgesamt vier Wellen ausgemacht. Auf die erste Welle der Vergleichsportale wie Check24 und Verivox folgten die digitalen Versicherungsordner von Knip, Clark & Co., die es vor allem auf die Vertriebsschnittstelle abgesehen hatten. „In diesen beiden Wellen gibt es zurzeit praktisch keine Neugründungen“, hat Richter beobachtet. Wesentlich mehr Musik ist hingegen in Welle drei - den sogenannten „Enablern“ – „Unternehmen mit einem kooperativen Ansatz, wie beispielsweise Friendsurance, Kasko oder feelix“, so Ritter. Noch stärker wahrnehmbar sei allerdings die vierte Welle, die