Gemeinschaft entscheidet: (v.l.n.r.) Falk Zientz, strategischer Berater von Elinor; Lukas Kunert, Geschäftsführer und Hauptinitiator des Projektes; Daria Urman, Head of Risk und Ruben Rögels, Softwareentwickler und technischer Kopf von Elinor.
Gemeinschaft entscheidet: (v.l.n.r.) Falk Zientz, strategischer Berater von Elinor; Lukas Kunert, Geschäftsführer und Hauptinitiator des Projektes; Daria Urman, Head of Risk und Ruben Rögels, Softwareentwickler und technischer Kopf von Elinor.Quelle: Elinor
Erschienen in Ausgabe 2-2019Unternehmen & Management

Hoch lebe die Solidarität

Wer gute Freunde hat, braucht keine klassische Versicherung. Das Start-up elinor versucht  mit dem Peer-to-Peer-Ansatz den Markt zu revolutionieren. Ein Portrait.

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Was ist der Unterschied zwischen einer „Absicherungsplattform“ und einem Versicherer? Die Plattform biete zwar als Endprodukt ebenso Absicherung von Risiken, trage aber kein Risiko, wie es klassische Versicherer tun. Das ist die Einschätzung von elinor-Gründer und -Chef Lukas Kunert. Denn das Risiko wird durch die Mitglieder der Peer-to-Peer-Gruppen geteilt, die sich für die Absicherung eines bestimmten Risikos zusammengeschlossen haben. Elinor biete nur den Rahmen sowie die technischen und administrativen Voraussetzungen dafür. Peer-to-Peer bedeutet sinngemäß Kontakt oder Kommunikation zwischen Gleichgestellten. Auf die Welt der Versicherung oder Absicherung bezogen heißt das, Menschen mit dem gleichen Bedürfnis nach Absicherung eines Risikos schließen sich zu kleinen Gruppen zusammen, um im Schadenfall finanziell füreinander einzustehen. Dieser Gedanke des „Sharings“, also des Teilens – in diesem Fall des Risikos – hat sich bereits in vielen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens durchgesetzt. Carsharing oder Foodsharing zeigen, dass es funktioniert. Nur eben anders als klassische Modelle.  
„Unsere Gruppen etwa für Krankentagegeld oder Handyversicherung sind aktuell noch sehr klein und sollten auch nicht größer als 50 Menschen werden. So empfehlen unter anderem die Broodfonds aus den Niederlanden auch Gruppengrößen bis 40 Menschen“ erklärt Kunert. „Peer-to-Peer beruht auf dem Bewusstsein der Mitglieder, Verantwortung füreinander zu tragen und solidarisch zu sein. Bei relativ kleinen Gruppen könne zudem betrügerisches Verhalten von den Gruppenmitgliedern als auch von der Plattform schnell bemerkt werden. Das Problem des „moral hazard“, dass sich Personen mit einer Versicherung weniger vorsichtig verhalten als ohne Absicherung, könne so weitgehend vermieden werden. Auf die Frage, für wen sich sein Angebot eigne und ob es nur junge Leute seien, berichtet Lukas Kunert von einem Erlebnis mit älteren Damen von einem Dackelzuchtverein, mit denen er bei einer Hundemesse ins Gespräch kam. „Sie haben nach wenigen Minuten unser Modell verstanden, und waren begeistert. Denn das Thema Krankheitskosten für ihre Tiere war für sie absolut präsent“, so seine Erklärung. Es müssten sich nur Menschen mit den gleichen Interessen und Bedürfnissen zusammenfinden, wobei sie sich nicht unbedingt persönlich kennen müssten. Dabei könne eine persönliche Beziehung den Solidaritätsgedanken und das Zusammengehörigkeitsgefühl noch verstärken.

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