Erschienen in Ausgabe 2-2019Unternehmen & Management

Gegen die Wand

Versicherer sind für einen harten Brexit gerüstet

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Es war eine Abstimmungsniederlage historischen Ausmaßes: Am 15. Januar stimmte eine deutliche Mehrheit von 432 Abgeordneten im britischen Unterhaus gegen den ausgehandelten „Brexit-Deal“ zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Vereinigten Königreich. Lediglich 202 Parlamentarier stimmten für das 585-seitige Vertragswerk. Vielen britischen Abgeordneten scheint ein realistisches Gespür für die britische Verhandlungsposition immer noch zu fehlen. Stattdessen fordern viele noch immer die Quadratur des Kreises. Dazu zählen:

  • Möglichst niedrige „Scheidungszahlungen“ anstelle der ausgehandelten 39 Mrd. Euro
  • Freihandelsabkommen rund um dem Globus bei gleichzeitigem Zutritt zu Waren- und Dienstleistungsmärkten der verbliebenen 27 EU-Staaten
  • Souveränität bei Themen wie Arbeitsschutz, Arbeitszeiten, Hygiene, Konsumentenschutz usw.
  • Keine zolltechnische Spaltung zwischen der Republik Irland und Nordirland.

Nun erarbeiten die Abgeordneten Änderungs- oder Zusatzanträge mit Alternativen zu den Regierungsplänen. Diese reichen in dem über den Brexit zerstrittenen Parlament von einem Aufschub des Austrittstermins über Beibehaltung der Zollunion mit der EU bis hin zu einem zweiten Brexit-Referendum. Zudem schlagen einige Abgeordnete vor, der Regierung das Brexit-Verfahren zu entziehen und dem Parlament die Kontrolle darüber zu geben. Nachdem das Parlament einen Antrag angenommen hat, könnte May damit zur EU gehen und versuchen, Änderungen am Brexit-Vertrag auszuhandeln. Über einen geänderten Vertrag müsste das Parlament dann erneut abstimmen, um einen geregelten Austritt zu ermöglichen. 
Rolf Ketzler vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht die Versicherungsbranche zwar auf einen harten Brexit vorbereitet, warnte aber auf einer Veranstaltung in Berlin vor den Folgen für die Wirtschaft insgesamt. GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener ergänzte: Die Folgen für Konjunktur und Finanzmärkte sind eindeutig negativ. In einer arbeitsteiligen Welt werden Lieferketten zerschnitten und das Vertrauen der Menschen und der Unternehmen in die Zukunft Europas beschädigt. Der ungeregelte Brexit passt einfach nicht in eine Zeit, in der Europa sich zunehmend mehr im internationalen Wettbewerb befindet.“ Unmittelbare Folgen sieht der Ökonom derzeit zwar nicht: „Unternehmen, die weiterhin Geschäft in Großbritannien betreiben wollen, haben mittlerweile eine Tochtergesellschaft bzw. Drittstaatenniederlassung gegründet. Und die Unternehmen, die das Geschäft in Großbritannien…